Der baronisirte Bürger
[99] Der baronisirte Bürger.
Des kargen Vaters stolzer SohnWard, nach des Vaters Tod, Herr einer Million,Und für sein Geld in kurzer Zeit Baron.Er nahm sich vor, ein großer Mann zu werden,
5Und ahmte, wenn ihm gleich der innre Werth gebrach,
Doch die gebietrischen GeberdenDer Großen zuversichtlich nach.Bald wünscht er sich des Staatsmanns Ehre,Vertraut mit Fürsten umzugehn;
10Bald wünscht er sich das Glück, dereinst vor einem Heere
Mit Lorbern des Eugens zu stehn.Kurz, er blieb ungewiß, wo er mehr Ansehn hätte,Ob in dem Feld, ob in dem Cabinette?
Indessen war er doch Baron;
15Und sein Verdienst, die Million,
Ließ sich, zu alles Volks Entzücken,In Läufern und Heiducken blicken.Er nahm die halbe Stadt in Sold,Bedeckte sich und sein Gefolg mit Gold,
20Und brüstete sich mehr in seiner Staatscarosse,
Als die daran gespannten Rosse.
Er war der Schmeichler Mäcenat.Ein Geck, der ihn gebückt um seine Gnade bat,Und alles, was sein Stolz begonnte,
25Recht unverschämt bewundern konnte,
[100] Der kam sogleich in jener Freunde Zahl,In der man mit ihm aß, ihn lobt, und ihn bestahl,Und, wenn man ihn betrog, zugleich in überredte,Daß er des Argus Augen hätte.
30Was braucht es mehr als Stolz und Unverstand;
Um Millionen durchzubringen?Unsichrer ist kein Schatz, als in des Jünglings Hand,Den Wollust, Pracht und Stolz zu ihren Diensten zwingen.Der Herr Baron vergaß bey seinem großen Schatz
35Den Staatsmann und den Held, ward sinnreich im Verschwenden,
Und sah in kurzer Zeit sein Gut in fremden Händen:Starb arm und unberühmt. Kurz, er bewies den Satz,Daß Aeltern ihre Kinder hassen,Wofern sie ihnen nichts, als Reichthum, hinterlassen.
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