Der beherzte Entschluß
[200]Der beherzte Entschluß.
Ein guter ehrlicher Soldat,Der, (denn was thut man nicht, wenn man getrunken hat)Im Trunke seinen Wirth erschlagen,Ward itzt hinausgeführt, für seine Missethat
5Den Lohn durchs Schwerdt davon zu tragen.
Er sah wohl aus, und wer ihn sah,Bedauerte sein schmählich Ende,Und wünschte, daß er noch beym König Gnade fände.Besonders gieng sein schweres Ende
10Auch einer alten Jungfer nah.
Auf einmal fühlte sie die TriebeDes Mitleids und der Menschenliebe,Und fühlte sie nur mehr, je mehr sie auf ihn sah.„Ach Himmel! ists nicht ewig Schade?
15Der schöne lange Mensch! Was für ein fein Gesicht,
Und was für Augen hat er nicht!Seht doch den Bart! Ist das nicht eine Wade!Die Straf ist in der That zu groß.Wer kann sich denn im Trunke zähmen?
20Ich bitt ihn frey; ich will ihn nehmen.“
Sie lief, und schrie, und bat ihn los,Indem Johann schon nieder kniete.Johann, fieng drauf der Richter an,Es findet sich ein redliches Gemüthe,
25[201]Dieß Weibsbild hier verlanget dich zum Mann,
Und wenn du sie verlangst: so schenk ich dir das Leben.
----
Johann erschrak und sah die Jungfer an;Sie trat hinzu, ihn aufzuheben.Ja, sprach er, euer Dienst ist groß;
30Allein es wird mir nicht viel fehlen,
Ihr werdet mich dafür zeitlebens quälen.Ich seh euchs an; was will ich lange wählen?Haut zu! so komm ich doch der Quaal auf einmal los.
Comments
Loading comments…