Der betrübte Witwer
[183]Der betrübte Witwer.
In Poitou, (ich will mit Fleiß die Gegend nennen,Damit sich die befragen können,Die, wenn ein kleiner Umstand fehlt,Schon zweifeln, ob man wahr erzählt),
5In Poitou ließ einst ein Mann sein Weib begraben;
Allein man merk es wohl, man ist in Poitou;Da geht es, wenn sie Leichen haben,So prächtig wie bey uns, nicht zu.Man kleidet sie geschwind mit leinen Sterberöcken,
10Und trägt den Sarg, ohn ihn erst zuzudecken,
An den für ihn bestimmten Ort.So trug man auch den offnen Sarg itzt fort;Doch was geschieht, indem sie ihn so tragen?Der Leichenweg gieng dicht an einer Hecke hin;
15Hier ritzt ein Dorn die todte Frau ins Kinn.
Auf einmal fängt sie an, die Augen aufzuschlagen,Und ruft: Wohin wollt ihr mich tragen?Hier, deucht mich, hör ich viele fragen,Wie kam die gute Frau zurück?
20Hielt es der Mann auch für ein Glück,
Die Hälfte wieder zu bekommen,Die ihm der Tod zuvor genommen?Wie mag ihm wohl gewesen seyn?
Das letzte wird man gleich erfahren.
25Nach weniger als sieben Jahren
Büßt sie das zweytemal ihr junges Leben ein.
[184]Der Mann gab ihr vom neuen das Geleite,
Und gieng gesetzt an seiner Gattin Seite,Wie alte harte Bauersleute.
30Allein so bald er nur die Hecke wieder sah:
So wies er erst, wie viel sein Herz empfände.Er rung mit Thränen beide Hände.Ach, rief er aus, da war es, da!Kommt ja der Hecke nicht zu nah!
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