Der fromme General
[249]Der fromme General.
Ein Spötter der ReligionUnd auch ein großer Prinz; denn trägt nicht mancher ThronNoch Spötter der Religion?Sprach einst mit einem tapfern Greise
5Und ihrem großen Freund, nach kühner Spötter Weise,
Von ihr in einem Ton, aus dem ein Stolzer lacht,Der kein Gesetz erkennt, als das er selbst gemacht.
Prinz, sprach der General, Sie kränken meinen Glauben,Und wollen mir, mir altem Mann,
10Des Lebens Trost, den Trost im Tode rauben!
Was hab ich Ihnen denn gethan?Nichts, rief der Fürst, Ihr seyd ein tapfrer Mann,Ihr seyd mein bester Unterthan,Bis auf den frommen Aberglauben:
15Nur den verlaßt! „Nein, den verlaß ich nicht.“
Auch da nicht, wenn ichs Euch befehle?„Nein, dieß ist wider Ihre Pflicht.Gott ist nur Herr von meiner Seele,Und alle Fürsten sind es nicht.“
20Wie aber, wenn ich Herr von Eurem Leben wäre?
Dieß sind Sie, sprach der Greis; ich hab es unverzagt,In mehr als einer Schlacht, für Sie, mein Fürst, gewagt;Und itzt wag ichs zu Gottes Ehre.
[250]"]}' id="mwQA"> Thor! rief der Prinz, wie wenn nun keiner wäre?
25Wie, wenn ich dich, daß keiner ist, belehre?
„So hätt ich Lust, ein Bösewicht zu seyn,Und würde, wär kein Gott, auch keinen König scheun;Und meiner würden in dem HeereGewiß noch viele tausend seyn.
30Dieß, Prinz, dieß fließt aus Ihrer Lehre!“
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