Der Tartarfürst

Der Tartarfürst.

Ein Tartarfürst, von dem man in Geschichten preist,Daß er, als Prinz, Europa durchgereist,Befahl, weil er sein Volk galanter machen wollte,Daß kein vornehmes Weib ihr Kind selbst stillen sollte.

5Die wilden Damen lachten nur;

Sie nährten nach, wie vor, ihr Kind mit ihren Brüsten,Und glaubten; daß sie der NaturUnd ihren Müttern folgen müßten.Der Chan fieng an, sich zu entrüsten,

10Gab ein sehr scharf Mandat, und schwur,

Daß jede Frau vom Stande sterben sollte,Die für ihr Kind nicht Ammen halten wollte.Und weil sie sich gezwungen sahn:So nahmen sie denn Ammen an.

15Allein sie konnten sich des Triebs nicht lang erwehren,

Ihr eigen Blut an ihrer Brust zu nähren.Die meisten fiengen an, dem Chan den Tod zu schwören.

Einst, als der Tartarfürst sich ganz allein befand,Kam, mit dem Degen in der Hand,

20Ein vornehm Weib auf ihn gerannt,

Und sprach, von edlem Grimm entbrannt:Hör auf, mein Kind mir abzudringen,Sonst bin ich hier, dich umzubringen.

[186]Ich säug es selbst, und säug es mir zur Lust,

25Deswegen hab ich diese Brust.

In dieser Pflicht, mein Kind daran zu nehmen,Soll mich, o Fürst, kein Thier beschämen.

Der gute Tartarfürst erschrack,Und unterließ, um nicht sein Leben zu verlieren,

30Den Europäischen Geschmack

In seinen Horden einzuführen.

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