Die beiden Wächter
[137]Die beiden Wächter.
Zween Wächter, die schon manche NachtDie liebe Stadt getreu bewacht,Verfolgten sich, aus aller Macht,Auf allen Bier- und Brandweinbänken,
5Und ruhten nicht, mit pöbelhaften Ränken
Einander bis aufs Blut zu kränken;Denn keiner brannte von dem Spahn,Woran der andre sich den Tabak angezündet,Aus Haß den seinen jemals an.
10Kurz, jeden Schimpf, den nur die Rach erfindet,
Den Feinde noch den Feinden angethan,Den thaten sie einander an.Und jeder wollte bloß den andern überleben,Um noch im Sarg ihm einen Stoß zu geben.
15"]}' id="mwJQ"> Man rieth, und wußte lange nicht,
Warum sie solche Feinde waren;Doch endlich kam die Sache vor Gericht,Da mußte sichs denn offenbaren,Warum sie, seit so vielen Jahren,
20So heidnisch unversöhnlich waren.
Was war der Grund? Der Brodtneid? War ers nicht?Nein. Dieser sang: Verwahrt das Feuer und das Licht!Allein so sang der andre nicht.Er sang: Bewahrt das Feuer und das Licht!
25[138]Aus dieser so verschiednen Art,
An die sich beid im Singen zänkisch banden;Aus dem verwahrt und dem bewahrtWar Spott, Verachtung, Haß, und Rach, und Wuth entstanden.
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Die Wächter, hör ich viele schreyn,
30Verfolgten sich um solche Kleinigkeiten?
Das mußten große Narren seyn.Ihr Herren! stellt die Reden ein,Ihr könntet sonst unglücklich seyn!Wißt ihr denn nichts von so viel großen Leuten,
35Die in gelehrten Streitigkeiten
Um Sylben, die gleich viel bedeuten,Sich mit der größten Wuth entzweyten?
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