Die schlauen Mädchen
[175]Die schlauen Mädchen.
Zwey Mädchen brachten ihre TageBey einer alten Base zu.Die Alte hielt zu ihrer Muhmen PlageSehr wenig von der Morgenruh.
5Kaum krähte noch der Hahn bey frühem Tage:
So rief sie schon: Steht auf, ihr Mädchen, es ist spät,Der Hahn hat schon zweymal gekräht.
Die Mädchen, die so gern noch mehr geschlafen hätten,Denn überhaupt sagt man, daß es kein Mädchen giebt,
10Die nicht den Schlaf und ihr Gesichte liebt,
Die wanden sich in ihren weichen Betten,Und schwuren dem verdammten HahnDen Tod, und thaten ihm, da sie die Zeit ersahn,Den ärgsten Tod rachsüchtig an.
15"]}' id="mwKw"> Ich habs gedacht, du guter Hahn!
Erzürnter Schönen ihrer RacheKann kein Geschöpf so leicht entfliehn.Und ihren Zorn sich zuzuziehn,Ist leider! eine leichte Sache.
20"]}' id="mwOg"> Der arme Hahn war also aus der Welt.
Vergebens nur ward von der AltenEin scharf Examen angestellt.Die Mädchen thaten fremd, und schalten
[176]Auf den, der diesen Mord gethan,
25Und weinten endlich mit der Alten
Recht bitterlich um ihren Hahn.
Allein was halfs den schlauen Kindern?Der Tod des Hahns sollt ihre Plage mindern,Und er vermehrte sie noch mehr.
30Die Base, die sie sonst nicht eh im Schlafe störte,
Als bis sie ihren Haushahn hörte,Wußt in der Nacht itzt nicht, um welche Zeit es wär;Allein weil es ihr Alter mit sich brachte,Daß sie um Mitternacht erwachte:
35So rief sie die auch schon um Mitternacht,
Die, später aufzustehn, den Haushahn umgebracht.
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Wärst du so klug, die kleinen PlagenDes Lebens willig auszustehn:So würdest du dich nicht so oft genöthigt sehn,
40Die größern Uebel zu ertragen.
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