Die Spinne
[68] Die Spinne.
Hochmüthig über ihre Künste,Warf vom durchsichtigen GespinsteDie Spinne manchen finstern BlickAuf einen Seidenwurm zurück;
5So aufgebläht, wie ein Pedant,
Der itzt, von seinem Werth erhitzet,In Werken seiner eignen HandBis an den Bart vergraben sitzet,Und auf den Schüler, der ihn grüßt,
10Den Blick mit halben Augen schießt.
Der Seidenwurm, den erst vor wenig TagenDer Herr zur Lust mit sich ins Haus getragen,Sieht dieser Spinne lange zu,Und fragt zuletzt: Was webst denn du?Unwissender! läßt sich die Spinn erbittert hören,
15Du kannst mich noch durch solche Fragen stören?
Ich webe für die Ewigkeit!
Doch kaum ertheilte sie den trotzigen Bescheid:So reißt die Magd, mit Borsten in den Händen,Von den noch nicht geputzten Wänden
20Die Spinne nebst der Ewigkeit.
Die Kunst sey noch so groß, die dein Verstand besitzet,Sie bleibt doch lächerlich, wenn sie der Welt nicht nützet.Verdient, ruft ein Pedant, mein Fleiß denn keinen Dank?Nein! denn er hilft nichts mehr, als andrer Müßiggang.
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