Amynt und Doris

[110]Amynt und Doris.

Amynt.Ich nenne dich, ohn es zu wissen,Im Traume glaub ich dich zu küssen,Abwesend seufzt mein Herz nach dir:Was um dich ist, zwingt mich zum Neide:

5Erblick ich dich, o welche Freude!

Weist dus, so sag, was fehlet mir?

Doris.Ein jeder Ort, wo ich dich finde,Wird mir ein Heiligthum: die Linde,Der Hayn, die Au, das Ufer hier:

10Da hör ich Philomelen schlagen,

Gerührt sing ich in ihre Klagen,Weist dus, so sag, was fehlet mir?

[111]Amynt.

Entfernt hab ich dir viel zu sagen,Du kömmst, und mußt mich alles fragen,

15Und ganz verstummt geh ich von dir:

Ich geh von dir, um dich zu suchen,Und einsam red ich mit den Buchen:Weist dus, so sag, was fehlet mir?

Doris.Dein Auge trauert, und ich weine,

20Du lächelst: gleich dem Sonnenscheine

Im May, fließt Freud auf mich von dir,Man lobt dich, um mich zu gewinnen,Doch zittr’ ich, thun es Schäferinnen:Weist dus, so sag, was fehlet mir?

[112]Amynt.

25Mir gilt ein einzger deiner Blicke

Mehr als der Erde gröstes Glücke,Wie sollt es wohl die Liebe seyn?

Doris.Die Heerden wollt ich alle missen,Um dich, beschämt sag ichs, zu küssen:

30Gewiß, es muß die Liebe seyn.

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