Das Gelübde (Weiße)
[65]Das Gelübde.
Unter dicht bewachsnen LindenFand mich Damon ganz allein,Und er glaubt aus tausend Gründen,Meiner Liebe werth zu seyn:
5Doch ich sprach, nein, dich zu lieben,
Lieber Damon, geht nicht an,Von der Freyheit Glück getrieben,Hab ich ein Gelübd gethan.
Seines Lebens ganzes Glücke,
10Seiner Freuden Gegenstand
Nennt er mich: mit sanftem BlickeDrückt er mir dabey die Hand.Ja, er raubt mir einge Küsse,Eh ich weis, wie mir geschicht;
15Schmeckten sie gleich noch so süße,
Mein Gelübd brach ich doch nicht.
[66]Wild zog er mich zu sich nieder,
Setzte mich auf seinen Schoos;Doch mir bebten alle Glieder,
20Kraftlos sank ich auf das Moos:
Nacht umnebelte die Sinnen,Ich weis nicht, wie mir geschah!Kurz: beklagt mich Schäferinnen,Mein Gelübde brach ich da!
25Mädchen, wollt ihr etwas wagen,
Wagt nur ein Gelübde nicht!Denn ihr brechts in ersten Tagen,Wenn euch nur ein Schäfer spricht:Mit der Freyheit frey zu walten,
30Welch gefährlich Eigenthum!
Götter! dieß Gelübd zu halten,Schafft uns und die Schäfer um!
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