Das macht er mir nicht weiß
[113]Das macht er mir nicht weiß.
Lykas, zitternd mit der Brille,Küßt Belinden, sie hält stille,Und wird seines Goldes Preiß:Daß er sich durch Liebkosungen
5Ihre Hand, ihr Herz errungen,
Nein, das macht er mir nicht weiß.
Gestern scherzt ich mit Nerinen,Trotz der alten ModeminenSah sie ziemlich roth und weiß:
10Doch daß sie vom Schlaf erwachet,
Gleich so frühlingsmäßig lachet,Nein, das macht sie mir nicht weiß.
Mops will keine Schwäger nähren,Und macht seiner Frau, Neären,
15Oft darum die Hölle heiß:
Er kauft ihr die frömmsten Bücher,Schließt sie ein, und glaubt sich sicher:Doch mir macht er es nicht weiß.
[114]Ueber den Verfall der Tugend
20Schreyt Beatrix, da die Jugend,
Was sonst Mütter lernten, weiß.Daß stets Singen, Beten, LesenEinst ihr Zeitvertreib gewesen,Nein, das macht sie mir nicht weiß.
25Keinen von den Freyern allen
Läßt Themire sich gefallen,Sie kennt ihrer Schönheit Preis:Eingebildet will sie sterben,Wenn nicht Grafen um sie werben;
30Mir nur macht sie es nicht weiß.
Meine reitzende Selinde,Mit der ich mich ietzt verbinde,Ist für andre kalt wie Eis.Daß sie einzig für mich brennet,
35Außer mir kein Glücke kennet,
Dies macht sie mir doch wohl weiß.
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