Das wird sich weisen

[122]Das wird sich weisen.

Lucinden, welch ein schönes Kind!Das jeder Jüngling lieb gewinnt,Sucht ietzt ein zärtlicher AmyntIm Lieben oft zu unterweisen:

5Noch färbet, wenn er davon spricht,

Ein sanftes Roth ihr hold Gesicht:Obs in acht Tagen noch geschicht?Das wird sich weisen.

Cotill, ein junger Candidat,

10Sucht, da er noch kein Aemtgen hat,

Gerecht zu seyn in Rath und That,Den Richtern herrlich anzupreisen.Durch den bestochenen PatronTrägt sein Verdienst ein Amt davon:

15Spricht er nun den Geschenken Hohn?

Das wird sich weisen.

[123]Wie ärgert sich Belinde nicht,

Wenn eine Frau Gesetz und PflichtUnd die geschworne Treue bricht!

20Da soll der Himmel sich zerreißen.

Itzt reichet sie ihr Herz und HandDem jungen flatternden Cleant,Ist noch ihr Eifer vom Bestand?Das wird sich weisen.

25Selinde zieht den Bellamor

Dem seufzervollen LisidorIn seinen heißen Wünschen vor:Er droht mit Gift, Pistol und Eisen:Man läßt ihn ungeschlossen gehn,

30Läßt alles ihm im Wege stehn,

Ists um sein Leben nun geschehn?Das wird sich weisen.

[124]Jobst, der das Geld nach Scheffeln zählt,

Dem der Verstand, nichts weiter fehlt,

35Geht, von dem edlen Stolz beseelt,

Galant und klug zu seyn, auf Reisen:In Frankreich, Welschland, EngelandWird bald der reiche Jobst bekannt:Kömmt er zurück reich am Verstand?

40Das wird sich weisen.

Bey Römern, niemals leer vom Wein,Hör ich dort meine Nachbarn schreyn,Wer von den kriegenden ParteynNoch sieget? Oestreich oder Preussen?

45Sie rufen mir entrüstet zu:

„Komm Bruder, komm, entscheide du!“Ich sag: ihr Narren, trinkt in Ruh,Das wird sich weisen.

Comments

Loading comments…