Der Sperling

[61]Der Sperling.

An einem heitern FrühlingsmorgenTrat Doris früh erwacht ans offne Fenster hin;Allein ihr alter Geck Crispin,Schnarcht noch empfindungslos, und träumet güldne Sorgen.

5Sie fühlet halb des Morgens Freuden,

Jedoch nur halb – – indem sah sie in süßer MühDen Spatz bey seiner muntern Sie,Sie liebten sich so oft, man mußte sie beneiden.

Auch weis ich nicht, was Chloen fehlte:

10Sie ward bestürzt, ganz roth, fing laut zu seufzen an;

Sah bald ins Feld, bald nach dem Mann,Der noch im Traum sein Geld und Wechsel überzählte.

[62]Zuletzt stört sie mit heißen Küssen

Und süßem Ungestüm ihn in der Träume Lauf,

15Er springt bestürzt vom Lager auf,

Und schreyt: wo ist der Dieb, der mir mein Gut entrissen?

Sie zieht ihn mit beredten SchweigenAns Fenster hin, und seufzt: ach Männchen, glaubest du,(Schon seh ich eine Stunde zu,)

20Seit diese Vögelchen sich so verliebt bezeigen.

Für Bosheit fängt er an zu beben,Sperrt weit die Augen auf, und schreyt erstaunungsvoll:„Wie? sag mir, Närrin, bist du toll?Bleibst du in Ewigkeit an Kinderpossen kleben?“

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