Die Einfalt
[38]Die Einfalt.
Unter Rosen und JesminenFand den letzten FrühlingstagMops die Chloe, die im GrünenUeberrascht vom Schlummer lag:
5Weste spielten mit dem Kleide,
Und des Busens leichten Flor:Und der Gott der Lieb und FreudeGuckt aus jedem Strauch hervor.
Mops wirft neben ihr sich nieder,
10Kneipt sie, bis er sie geweckt:
Sie seufzt, schmählet, seufzet wieder,Fragt, warum er sie erschreckt?„Weißt du, was du mir versprochen?“Ruft Mops; „jetzund halt es fein!
15Es sind, dünkt mir, schon vier Wochen; – –
Gelt? so lange muß es seyn?“
[39]Chloe wundert sich der Fragen,
Lächelt ja, und saget: Nein!Ich? versprochen? kannst du sagen!
20Glaube mir, es kann nicht seyn.
O, ruft Mops, wollt ich nur schwörenDoch Amynt belauscht uns ja:Gleich sollst du es selber hören;Ja, ich such ihn, warte da.
25Nein, ich will ihn lieber suchen,
Sagte Chloe, warte du,Und sie lief den stillen Buchen,Wo Amyntas weidet, zu.Mops bleibt voll Erwartung stehen;
30Doch, wie lange wartet er?
Man würd ihn noch warten sehen,Wenns nicht Nacht geworden wär.
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