Die Glocken
Translated from English by Hedwig Lachmann; Adolf Strodtmann
[24] Die Glocken.
I.
Hört die Schlittenglocken, die hellen,Die fröhlichen, silbernen Schellen!Wie sie klingen und klingen und klingenZu der Rosse feurigen Sprüngen,
5Wie es ringsherum blinkt und blitzt,
Wie die Sterne glitzern und flinkern,Daneben blinzeln und zwinkernHalb verschmitzt!Und im Mondlicht tanzen die Feyn
10Einen seltsamen Runenreih’n
Bei den demantbestreuten ErlenZu den tönenden Silberperlen.Und es klingt, klingt, klingt,Und es dringt, dringt, dringt
15Weithin, weit, weit, weit, weit, weit
Das klingende, das singende Geläut.
II.
[25] Hört die Hochzeitsglocken, die weichen,Die goldenen, sangesreichen!Wie sie wogen und wallen,
20"]}' id="mwfA"> Wie sie schallen und hallen
In schmelzenden, schönen,Verwehenden TönenDurch die schimmernde Nacht,Während hoch im Blauen
25"]}' id="mwng"> Der Mond mit schlauen
Schalksaugen lacht.O welch brausende Wogen schwellenAus den tönenden, dröhnenden Zellen!Hört, wie sie schwellen,
30"]}' id="mwtg"> Wie sie entquellen
Den erzenen Kehlen,Sich wonnig vermählen,Anmuthig erzählenVon der Liebe, die bleibt,
35"]}' id="mw2A"> Von der Lust, die sie treibt,
Sich zu schwingen, zu klingen,Weithin, weit, weit, weit, weit, weit –Mit tönendem, mit sehnendem Geläut!
III.
[26] Die Sturmglocken hört, aus Erz, aus Erz!
40Wie zittert dabei das Menschenherz.
Von eisernen Fäusten gepackt,Sausen sie aufwärts, scheuenWie wilde Rosse und schreien,Und schreien und schreien und schreien
45Einen gellenden Chor
Der Nacht ins OhrOhne Takt.Ihr eignes, gespenstisches GrausenHeulen sie aus und brausen
50Im Klageruf an das Feuer,
Das wahnsinn’ge Ungeheuer,Und wälzen sich höher und höher,Dem Monde näher und näher,Vom hölzernen, morschen Gerüste
55Treibt sie ein tolles Gelüste,
Sie klirren zusammen und schwirrenIn’s Blaue und irren und irren,Und tollen und tollen und tollen,Und rollen und rollen und rollen
60Auf den zuckenden Busen der Nacht
[27] Ein bleiches, starres EntsetzenUnd wecken die Schläfer und hetzenSie aus der nächtlichen Ruh.Die stürzen blindlings hinzu,
65Mit stockendem Athem zu lauschen
Dem fluthenden, ebbenden RauschenDer grausen Gefahr,Aus dem ebbenden, fluthenden LäutenDen Grimm des Feuers zu deuten,
70Mit fliegenden Pulsen zu hören,
Aus der Glocken Schallen und Gellen,Aus dem rasselnden, klirrenden SchellenDas furchtbare Wallen und GährenDer Feuersgefahr –
75Und es jammert die zitternde Schaar
In der Not, die so fürchterlich dräut,Weithin, weit, weit, weit, weit, weit –Mit gellendem, zerschellendem Geläut.
IV.
Hört den eisernen Glockenklang!
80Wie bang, wie bang, ein Trauergesang!
O, wie wir angstvoll schaudern und beben,Wenn sie des Nachts die Stimmen erheben,[28] Wie wir den Himmel suchen mit scheuen,Erschrockenen Blicken, wenn sie so dräuen!
85O, wie erschauert unsre Seele,
Wenn sie so hoffnungslos gramvoll tönen,Wenn jeder Laut ihrer rostigen KehleEin Stöhnen!Und im Thurm allein
90Jene knöcherne Sippe,
Jene fahlen Gerippe,Allein, allein,Es sind nicht Männer, nicht Weiber,Nicht Tier- und nicht Menschenleiber,
95"]}' id="mwAbg"> Es ist Gebein!
Es sind nachtwandelnde GeisterUnd ihr König, das ist der Meister,Und er zieht, und er zieht, und er ziehtAus den Glocken ein schauerlich Lied,
100Und er rollt mit teuflischer Lust
Auf die zuckende MenschenbrustEinen Stein.Und er zieht den ächzenden StrangZu einem Triumphgesang,
105Und er jubelt und jauchzet wild,
Und sein fröhlicher Busen schwillt,Und er tanzt zu den Melodei’nEinen seltsamen Runenreihn[29] Und schwingt den ächzenden Strang
110Zu einem Triumphgesang,
Und er schwingt, und er schwingt, und er schwingtAuf und ab, auf und ab, auf und ab,Und er winkt, und er winkt, und er winktIn das Grab, in das Grab, in das Grab,
115Und er tanzt und jubelt und streut,
Weithin, weit, weit, weit, weit, weit –Das klagende, verzagende Geläut.
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