Am Abend (Werfel)

Am Abend

Am Abend trat ich ein in einen LadenUnd sah die vielen einmaligen BilderDer hängenden Tiere, der harrenden Fische.Sah die vorbeigetragenen

5Gesichter der Verkäuferinnen.

Groß zogen durch mein HerzDie weichen Schritte draußen,Des Himmels goldener NiedergangUnd die steigenden Lieder

10Der eingesperrten Vögel in den tausend Wohnungen.

Und auch ein Kind war da,Bucklig ein Mädchen mit steifem HaarUnd armen Schuhn an armen Füßen.(Den eingekauften Käse tut’s in einen Korb.)

15Und siehe!

Es traf mich einmal und nicht wiederEin Blick aus seinem Auge.Einmal und nicht wiederEin Blick aus seinem Auge, das erfüllt war

20Von meiner Seele und von seiner Seele.

Ein Blick aus einem Auge, dessen Fläche,Meerfläche war von Meeren dieses Sterns und aller Sterne.

Da fühlte ich wunderbarDie unwiederbringlichen Ruinen der Dämmerung,

25Die morgen wieder auf allen Bergen stehn.

Da fühlte ichDas goldene Heute der Sprotten, das nicht wiederkehrtUnd doch unsterblich ist.

Da fühlte ich

30Den Spöttern allen mich als letzter Bruder.

Und daß von meiner Wahrheit, fühlte ich,Die doch vergeht, kein Gran vergänglich ist.

Am Abend überging mein Wesen da von Gott.

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