Eine alte Frau geht

Eine alte Frau geht

Eine alte Frau geht wie ein runder TurmDurch die alte Hauptallee im Blättersturm.Schwindet schon, indem sie keucht,Wo um Ecken schwarze Nebel wehen.

5Wird nun bald in einem Torgang stehen,

Laute Stufen langsam aufwärts gehen,Die vom trägen Treppenlichte feucht.

Niemand hilft, wie sie ins Zimmer tritt,Ihr beim Ausziehn ihrer Jacke mit.

10Ach sie zittert bald an Händ’ und Bein’.

Schickt sich an mit schwerem Flügelschlagen,Aufgehobene Kost von alten TagenAuf des Kochherds armes Rot zu tragen.Bleibt mit ihrem Leib und sich allein.

15Und sie weiß nicht, wie sie schluckt und kaut,

Daß in ihr sich Söhne aufgebaut.(Nun, sie freut sich ihrer Abendschuh’)Was aus ihr kam, steht in andern Toren,Sie vergaß den Schrei, wenn sie geboren,

20Manchmal nur im Straßendrang verloren,

Nickt ein Mann ihr freundlich „Mutter“ zu.

Aber Mensch, gedenke du in ihr,Ungeheuer auf der Welt sind wir,Da wir brachen in die Zeiten ein.

25Wie wir in dem Unbekannten hängen,

Nahen Schatten mit gewaltigen FängenDie ins letzte uns zusammendrängen.Diese Welt ist nicht die Welt allein.

Wenn die Greisin durch die Stube schleift,

30Ach vielleicht geschieht’s, daß sie begreift.

Es vergeht ihr brüchiges Gesicht.Ja sie fühlt sich wachsender in allemUnd beginnt auf ihre Knie zu fallen,Wenn aus einem kleinen Lampenwallen,

35Ungeheuer Gottes Antlitz bricht.

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