Ein Tag auf dem Stadtthurm zu Andernach
Dicht von Felsen eingeschlossen,Wo die stillen Bächlein gehn,Wo die dunkeln Weiden sprossen,Wünsch’ ich bald mein Grab zu sehn.Dort im kühlen abgelegnen ThalSuch ich Ruh für meines Herzens Qual!
Liebesprobe.
Es sah eine Linde in’s tiefe Thal,War unten breit und oben schmal,Worunter zwei Verlobte saßen,Vor Lieb ihr Leid vergaßen.
„Fein’s Liebchen wir müssen von einander;Ich muß noch sieben Jahre wandern.“„Mußt du noch sieben Jahre wandern,“Heurath ich doch keinen andern.“
Und als die sieben Jahr umme war’nSie meint, ihr fein’s Liebchen käme bald;Sie ging wohl in den Garten,Ihr fein’s Liebchen zu erwarten.
Sie ging wohl in das grüne Holz,Da kam ein Reuter geritten stolz;„Gott grüße dich Mägdlein feine,Was machst du so alleine?
„Ist dir dein Vater oder Mutter gram,Oder hast du heimlich einen Mann?“ –„Mein Vater oder Mutter sind mir nicht gram,Ich hab auch heimlich keinen Mann.
Gestern war’s drei Wochen über sieben Jahr,Da mein fein’s Liebchen ausgewandert war.“ –„Gestern bin ich geritten durch eine Stadt,Da dein fein’s Liebchen hat Hochzeit gehabt.
Was thust du ihm denn wünschen an,Daß er seine Treu nicht gehalten hat?“„Ich wünsch’ ihm so viel gute Zeit,So viel wie Sand am Meere breit.
Ich wünsch ihm all’ das Beste,So viel der Baum hat Aeste.Ich wünsch ihm so viel Glücke fein,So viel wie Stern am Himmel seyn.“ –
Was zog er von dem Finger sein?Ein’n Ring von reinem Gold gar fein.Er warf den Ring in ihren Schooß,Sie weinte, daß der Ring gar floß.
Was zog er aus seiner Taschen?Ein Tuch schneeweiß gewaschen.Trockne ab, trockne ab dein’ Aeugelein,Du sollst hinfort mein eigen seyn.
Ich wollte dich nur versuchen,Ob du würd’st schwören oder fluchen;Hätt’st du einen Schwur oder Fluch gethan,Von Stund an wär ich geritten davon.“
* * *
Ein schöner Augenblick gab mir das Zeichen ew’ger Treue;Der Augenblick nehm’ hin, was er zu schnell vielleicht verliehn!Was ewig ist, es bleibt auch ohne solche Zeichen;Und ob auch nie der stolze Ritter wiederkehrt,Ich wünsch ihm dennoch all’ das Beste,So viel der größte Baum hat Aeste;Ich wünsch ihm so viel gute Zeit,So viel wie Sand am Meere breit;Ich wünsch’ ihm so viel Glücke fein,So viel wie Stern’ am Himmel seyn! –
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