Almansor (Buch der Lieder 1827)
In dem Dome zu CorduvaStehen Säulen, dreizehnhundert,Dreizehnhundert RiesensäulenTragen die gewalt’ge Kuppel.
Und auf Säulen, Kuppel, Wänden,
Ziehn von oben sich bis untenDes Corans arab’sche Sprüche,Klug und blumenhaft verschlungen.
Mohrenkön’ge bauten weiland
Dieses Haus zu Allahs Ruhme,
Doch hat Alles sich verwandeltIn der Zeiten dunkelm Strudel.
Auf dem Thurme, wo der ThürmerZum Gebete aufgerufen,
Hebt sich jetzt der Christenglocken
Melancholisches Gesumme.
[273] Auf den Stufen, wo die Gläub’genDas Prophetenwort gesungen,Zeigen jetzt die Glatzenpfäfflein
Ihrer Messe fades Wunder.
Und das ist ein Drehn und WindenVor den buntbemalten Puppen,Und das blöckt und dampft und klingelt,Und die dummen Kerzen funkeln.
In dem Dome zu Corduva
Steht Almansor ben Abdullah,All die Säulen still betrachtend,Und die stillen Worte murmelnd:
„O, ihr Säulen, stark und riesig,
Einst geschmückt zu Allahs Ruhme,
Jetzo müßt Ihr dienend huld’genDem verhaßten Christenthume!
„Ihr bequemt Euch in die Zeiten,Und Ihr tragt die Last geduldig; –
Ei, da muß ja wohl der Schwäch’re
Noch viel leichter sich beruh’gen.“
[274] Und sein Haupt, mit heiterm Antlitz,Beugt Almansor ben AbdullahUeber den gezierten Taufstein,
In dem Dome zu Corduva.
Hastig schritt er aus dem Dome,Jagte fort auf seinem Rappen,Daß im Wind die feuchten LockenUnd des Hutes Federn wallen.
Auf dem Weg’ nach Alkolea,
Dem Guadalquivir entlange,Wo die weißen Mandeln blühen,Und die duft’gen Gold-Orangen;
Dorten jagt der lust’ge Ritter,
Pfeift und singt, und lacht behaglich.
Und es stimmen ein die Vögel,Und des Stromes laute Wasser.
[275] In dem Schloß zu AlkoleaWohnet Clara de Alvares,
In Navarra kämpft ihr Vater,
Und sie freut sich mindern Zwanges.
Und Allmansor hört schon fernePauken und Trommeten schallen,Und er sieht des Schlosses Lichter
Blitzen durch der Bäume Schatten.
In dem Schloß zu AlkoleaTanzen zwölf geschmückte Damen,Tanzen zwölf geschmückte Ritter,Doch am schönsten tanzt Almansor.
Wie beschwingt von muntrer Laune
Flattert er herum im Saale,Und er weiß den Damen allenSüße Schmeichelein zu sagen.
Isabellens schöne Hände
Küßt er rasch, und springt von dannen;
Und er setzt sich vor ElvirenUnd er schaut ihr froh in’s Antlitz.
[276] Lachend fragt er Leonoren:Ob er heute ihr gefalle?
Und er zeigt die goldnen Kreuze
Eingestickt in seinen Mantel.
Und zu jeder Dame spricht er:Daß er sie im Herzen trage;Und „so wahr ich Christ bin“ schwört er
Dreißig Mal an jenem Abend.
In dem Schloß zu AlkoleaIst verschollen Lust und Klingen,Herr’n und Damen sind verschwunden,Und erloschen sind die Lichter.
Donna Clara und Almansor
Sind allein im Saal geblieben;Einsam streut die letzte LampeUeber beide ihren Schimmer.
[277] Auf dem Sessel sitzt die Dame,
Auf dem Schemel sitzt der Ritter,
Und sein Haupt, das schlummermüde,Ruht auf den geliebten Knieen.
Rosenöhl, aus gold’nem Fläschchen,Gießt die Dame, sorgsam sinnend,
Auf Almansors braune Locken –
Und er seufzt aus Herzenstiefe.
Süßen Kuß, mit sanftem Munde,Drückt die Dame, sorgsam sinnend,Auf Almansors braune Locken –
Und es wölkt sich seine Stirne.
Thränenfluth, aus lichten Augen,Weint die Dame, sorgsam sinnend,Auf Almansors braune Locken –Und es zuckt um seine Lippen.
Und er träumt: er stehe wieder,
Tief das Haupt gebeugt und triefend,In dem Dom zu Corduva,Und er hört’ viel dunkle Stimmen.
[278] All die hohen Riesensäulen
Hört er murmeln unmuthgrimmig,
Länger wollen sie’s nicht tragen,Und sie wanken und sie zittern;
Und sie brechen wild zusammen,Es erbleichen Volk und Priester,
Krachend stürzt herab die Kuppel,
Und die Christengötter wimmern.
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