Alte Rose

Alte Rose.

Eine Rosenknospe warSie für die mein Herze glühte;Doch sie wuchs, und wunderbarSchoß sie auf in voller Blüthe.

5Ward die schönste Ros’ im Land,

Und ich wollt’ die Rose brechen,Doch sie wußte mich pikantMit den Dornen fortzustechen.

Jetzt, wo sie verwelkt, zerfetzt

10Und verklatscht von Wind und Regen –

Liebster Heinrich bin ich jetzt,Liebend kommt sie mir entgegen.

Heinrich hinten, Heinrich vorn,Klingt es jetzt mit süßen Tönen;

15Sticht mich jetzt etwa ein Dorn,

Ist es an dem Kinn der Schönen.

[165] Allzu hart die Borsten sind,

Die des Kinnes Wärzchen zieren –Geh’ in’s Kloster, liebes Kind,

20Oder lasse dich rasiren.

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