Aus einem Briefe (Heine)

[172]"]}' id="mwCA"> V.

Aus einem Briefe.

(Die Sonne spricht:)Was gehn dich meine Blicke an?Das ist der Sonne gutes Recht,Sie stralt auf den Herrn wie auf den Knecht;Ich strale weil ich nicht anders kann.

5Was gehn dich meine Blicke an?

Bedenke was deine Pflichten sind,Nimm dir ein Weib und mach ein Kind,Und sey ein deutscher Biedermann.

Ich strale weil ich nicht anders kann.

10Ich wandle am Himmel wohl auf wohl ab,

Aus Langeweile guck’ ich hinab –Was gehn dich meine Blicke an?

[173]"]}' id="mwMQ"> (Der Dichter spricht:)

Das ist ja eben meine Tugend,

15Daß ich ertrage deinen Blick,

Das Licht der ew’gen Seelenjugend,Blendende Schönheit, Flammenglück!

Jetzt aber fühl’ ich ein ErmattenDer Sehkraft, und es sinken nieder,

20Wie schwarze Flöre, nächt’ge Schatten

Auf meine armen Augenlieder …

(Chor der Affen:)Wir Affen, wir Affen,Wir glotzen und gaffen

25Die Sonne an,

Weil sie es doch nicht währen kann.

[174]"]}' id="mwWA"> (Chor der Frösche:)

Im Wasser, im Wasser,Da ist es noch nasser

30Als auf der Erde,

Und ohne BeschwerdeErquickenWir uns an den Sonnenblicken.

(Chor der Maulwürfe:)

35Was doch die Leute Unsinn schwatzen

Von Stralen und von Sonnenblicken!Wir fühlen nur ein warmes Jücken,Und pflegen uns alsdann zu kratzen.

(Ein Glühwurm spricht:)

40Wie sich die Sonne wichtig macht,

Mit ihrer kurzen Tagespracht!So unbescheiden zeig’ ich mich nicht,Und bin doch auch ein großes Licht,In der Nacht, in der Nacht!

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