Böses Geträume
XVII.Böses Geträume.
Im Traume war ich wieder jung und munter –Es war das Landhaus hoch am Bergesrand,Wettlaufend lief ich dort den Pfad hinunter,Wettlaufend mit Ottilien Hand in Hand.
5Wie das Persönchen fein formirt! Die süßen
Meergrünen Augen zwinkern nixenhaft.Sie steht so fest auf ihren kleinen Füßen,Ein Bild von Zierlichkeit vereint mit Kraft.
Der Ton der Stimme ist so treu und innig,
10Man glaubt zu schaun bis in der Seele Grund;
Und alles was sie spricht ist klug und sinnig;Wie eine Rosenknospe ist der Mund.
Es ist nicht Liebesweh, was mich beschleichet,Ich schwärme nicht, ich bleibe bei Verstand; –
15Doch wunderbar ihr Wesen mich erweichet
Und heimlich bebend küss’ ich ihre Hand.
[197]Ich glaub’, am Ende brach ich eine Lilie,
Die gab ich ihr und sprach ganz laut dabei:Heirathe mich und sei mein Weib, Ottilie,
20Damit ich fromm wie du und glücklich sei.
Was sie zur Antwort gab, das weiß ich nimmer,Denn ich erwachte jählings – und ich warWieder ein Kranker, der im KrankenzimmerTrostlos daniederliegt seit manchem Jahr. – –
Comments
Loading comments…