Bei des Nachtwächters Ankunft zu Paris
VI.Bei des Nachtwächters Ankunft zu Paris.
„Nachtwächter mit langen Fortschrittsbeinen,Du kommst so verstört einhergerannt!Wie geht es daheim den lieben Meinen,Ist schon befreit das Vaterland?“
5Vortrefflich geht es, der stille Seegen,
Er wuchert im sittlich gehüteten Haus,Und ruhig und sicher, auf friedlichen Wegen,Entwickelt sich Deutschland von innen heraus.
Nicht oberflächlich wie Frankreich blüht es,
10Wo Freiheit das äußere Leben bewegt;
Nur in der Tiefe des GemüthesEin deutscher Mann die Freiheit trägt.
[235]Der Dom zu Cöllen wird vollendet,
Den Hohenzollern verdanken wir das;
15Habsburg hat auch dazu gespendet,
Ein Wittelsbach schickt Fensterglas.
Die Constitution, die Freiheitsgesetze,Sie sind uns versprochen, wir haben das Wort,Und Königsworte, das sind Schätze,
20Wie tief im Rhein der Niblungshort.
Der freie Rhein, der Brutus der Flüsse,Er wird uns nimmermehr geraubt!Die Holländer binden ihm die Füße,Die Schwyzer halten fest sein Haupt.
25Auch eine Flotte will Gott uns bescheeren,
Die patriotische UeberkraftWird rüstig rudern auf deutschen Galeeren;Die Festungsstrafe wird abgeschafft.
[236]Es blüht der Lenz, es platzen die Schooten,
30Wir athmen frei in der freien Natur!
Und wird uns der ganze Verlag verboten,So schwindet am Ende von selbst die Censur.
Comments
Loading comments…