Belsatzar (1827)
Die Mitternacht zog näher schon;In stummer Ruh lag Babylon.
Nur oben, in des Königs Schloß,Da flackert’s, da lärmt des Königs Troß,
5Dort oben, in dem Königssaal,
Belsatzar hielt sein Königsmahl.
Die Knechte saßen in schimmernden Reih’n,Und leerten die Becher mit funkelndem Wein.
Es klirrten die Becher, es jauchzten die Knecht’;
10So klang es dem störrigen Könige recht.
Des Königs Wangen leuchten Glut;Im Wein erwuchs ihm kecker Muth.
Und blindlings reißt der Muth ihn fort;Und er lästert die Gottheit mit sündigem Wort.
15Und er brüstet sich frech, und lästert wild;
Die Knechtenschaar ihm Beifall brüllt.
[72] Der König rief mit stolzem Blick;Der Diener eilt und kehrt zurück.
Er trug viel gülden Geräth auf dem Haupt;
20Das war aus dem Tempel Jehovas geraubt.
Und der König ergriff mit frevler HandEinen heiligen Becher, gefüllt bis am Rand’.
Und er leert ihn hastig bis auf den Grund,Und rufet laut mit schäumendem Mund:
25Jehovah! dir künd’ ich auf ewig Hohn, –
Ich bin der König von Babylon!
Doch kaum das grause Wort verklang,Dem König ward’s heimlich im Busen bang.
Das gellende Lachen verstummte zumal;
30Es wurde leichenstill im Saal.
Und sieh! und sieh! an weißer WandDa kam’s hervor wie Menschenhand;
Und schrieb, und schrieb an weißer WandBuchstaben von Feuer, und schrieb und schwand.
35Der König stieren Blicks da saß,
Mit schlotternden Knien und todtenblaß.
[73] Die Knechtenschaar saß kalt durchgraut,Und saß gar still, gab keinen Laut.
Die Magier kamen, doch keiner verstand
40Zu deuten die Flammenschrift an der Wand.
Belsatzar ward aber in selbiger NachtVon seinen Knechten umgebracht.
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