Das Liedchen von der Reue (1827)
Herr Ulrich reitet im grünen Wald,Die Blätter lustig rauschen.Er sieht eine holde MädchengestaltDurch Baumeszweige lauschen.
5"]}' id="mwGg"> Der Junker spricht: Wohl kenne ich
Dies blühende, glühende Bildniß,Verlockend stets umschwebt es michIn Volksgewühl und Wildniß.
Zwei Röslein sind die Lippen dort,
10Die lieblichen, die frischen;
Doch manches häßlich bitt’re WortSchleicht tückisch oft dazwischen.
Drum gleicht dies Mündlein gar genauDen hübschen Rosenbüschen,
15Wo gift’ge Schlangen wunderschlau
Im dunkeln Laube zischen.
[80] Dort jenes Grübchen wunderliebIn wunderlieben Wangen,Das ist die Grube, worein mich trieb
20Wahnsinniges Verlangen.
Dort seh’ ich ein schönes LockenhaarVom schönsten Köpfchen hangen;Das sind die Netze wunderbar,Womit mich der Böse gefangen.
25"]}' id="mwYg"> Und jenes blaue Auge dort,
So klar, wie stille Welle,Das hielt ich für des Himmels Pfort’,Doch war’s die Pforte der Hölle. –
Herr Ulrich reitet weiter im Wald,
30Die Blätter rauschen schaurig.
Da sieht er von fern eine zweite Gestalt,Die ist so bleich, so traurig.
Der Junker spricht: O Mutter dort,Die mich so mütterlich liebte,
35Der ich mit bösem Thun und Wort
Das Leben bitterlich trübte!
[81] O, könnt ich dir trocknen die Augen naß,Mit der Gluth von meinen Schmerzen!O, könnt ich dir röthen die Wangen blaß
40Mit dem Blut aus meinem Herzen!
Und weiter reitet Herr Ulerich,Im Wald beginnt es zu düstern,Viel seltsame Stimmen regen sich,Die Abendwinde flüstern.
45"]}' id="mwqg"> Der Junker hört die Worte sein
Gar vielfach wiederklingen.Das thaten die spöttischen Waldvöglein,Die zwitschern laut und singen:
Herr Ulrich singt ein hübsches Lied,
50Das Liedchen von der Reue,
Und hat er zu Ende gesungen das Lied,So singt er es wieder auf’s Neue.
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