Der Tambourmajor
[237]"]}' id="mwBw"> VII.
Der Tambourmajor.
Das ist der alte Tambourmajor,Wie ist er jetzt herunter!Zur Kaiserzeit stand er in Flor,Da war er glücklich und munter.
5Er balanzirte den großen Stock,
Mit lachendem Gesichte;Die silbernen Tressen auf seinem Rock,Die glänzten im Sonnenlichte.
Wenn er mit Trommelwirbelschall
10Einzog in Städten und Städtchen,
Da schlug das Herz im WiederhallDen Weibern und den Mädchen.
[238]Er kam und sah und siegte leicht,
Wohl über alle Schönen;
15Sein schwarzer Schnurbart wurde feucht
Von deutschen Frauenthränen.
Wir mußten es dulden! In jedem Land,Wo die fremden Eroberer kamen,Der Kaiser die Herren überwand,
20Der Tambourmajor die Damen.
Wir haben lange getragen das Leid,Geduldig wie deutsche Eichen,Bis endlich die hohe ObrigkeitUns gab das Befreyungszeichen.
25Wie in der Kampfbahn der Auerochs
Erhuben wir unsere Hörner,Entledigten uns des fränkischen JochsUnd sangen die Lieder von Körner.
[239]Entsetzliche Verse! Sie klangen ins Oh’r
30Gar schauderhaft den Tyrannen!
Der Kaiser und die Tambourmajor,Sie flohen erschrocken von dannen.
Sie ärndteten beide den SündenlohnUnd nahmen ein schlechtes Ende.
35Es fiel der Kaiser Napoleon
Den Britten in die Hände.
Wohl auf der Insel Sankt-Helena,Sie marterten ihn gar schändlich;Am Magenkrebse starb er da
40Nach langen Leiden endlich.
Der Tambourmajor, er ward entsetztGleichfalls von seiner Stelle.Um nicht zu verhungern dient er jetztAls Hausknecht in unserm Hotele.
[240]45Er heitzt den Ofen, er fegt den Topf,
Muß Holz und Wasser schleppen.Mit seinem wackelnd greisen KopfKeucht er herauf die Treppen.
Wenn mich der Fritz besucht, so kann
50Er nicht den Spaß sich versagen,
Den drollig schlotternd langen MannZu nergeln und zu plagen.
Laß ab mit Spötteley’n, o Fritz!Es ziemt Germania’s Söhnen
55Wohl nimmermehr mit schlechtem Witz
Gefallene Größe zu höhnen.
Du solltest mit Pietät, mich däucht,Behandeln solche Leute;Der Alte ist dein Vater vielleicht
60Von mütterlicher Seite.
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