Die Nacht am Strande
Sternlos und kalt ist die Nacht,Es gährt das Meer;Und über dem Meer’, platt auf dem Bauch,Liegt der ungestaltete Nordwind,
5Und heimlich, mit ächzend gedämpfter Stimme,
Wie’n störriger Griesgram, der gutgelaunt wird,Schwatzt er in’s Wasser hinein,Und erzählt viel tolle Geschichten,Riesenmährchen, todtschlaglaunig,
10Uralte Sagen aus Norweg,
Und dazwischen, weitschallend, lacht er und heult erBeschwörungslieder der Edda,Graue Runensprüche,So dunkeltrotzig und zaubergewaltig,
15Daß die weißen Meerkinder
Hochaufspringen und jauchzen,Uebermuth-berauscht.
[317] Derweilen, am flachen Gestade,Ueber den fluthbefeuchteten Sand,
20Schreitet ein Fremdling, mit einem Herzen,
Das wilder noch als Wind und Wellen;Wo er hintritt,Sprühen Funken und knistern die Muscheln,Und er hüllt sich fest in den grauen Mantel,
25Und schreitet rasch durch die wehende Nacht;
Sicher geleitet vom kleinen Lichte,Das lockend und lieblich schimmertAus einsamer Fischerhütte.
Vater und Bruder sind auf der See,
30Und mutterseelallein blieb dort
In der Hütte die Fischertochter,Die wunderschöne Fischertochter.Am Heerde sitzt sieUnd horcht auf des Wasserkessels
35Ahnungssüßes, heimliches Summen,
Und schüttet knisterndes Reisig in’s Feuer,Und bläßt hinein,Daß die flackernd rothen LichterZauberlieblich wiederstrahlen
40Auf das blühende Antlitz,
Auf die zarte, weiße Schulter,Die rührend hervorlauscht[318] Aus dem groben, grauen Hemde,Und auf die kleine, sorgsame Hand,
45Die das Unterröckchen fester bindet
Um die feine Hüfte.
Aber plötzlich, die Thür springt auf,Und es tritt herein der nächtige Fremdling;Liebesicher ruht sein Auge
50Auf dem weißen, schlanken Mädchen,
Das schauernd vor ihm steht,Gleich einer erschrockenen Lilie;Und er wirft den Mantel zur Erde,Und lacht und spricht:
55"]}' id="mwkg"> Siehst du, mein Kind, ich halte Wort,
Und ich komme, und mit mir kommtDie alte Zeit, wo die Götter des HimmelsNiederstiegen zu Töchtern der Menschen,Und die Töchter der Menschen umarmten,
60Und mit ihnen zeugten
Zeptertragende KönigsgeschlechterUnd Helden, Wunder der Welt.Doch staune, mein Kind, nicht längerOb meiner Göttlichkeit,
65Und ich bitte dich, koche mir Thee mit Rum,
[319] Denn draußen war’s kalt,Und bei solcher NachtluftFrieren auch wir, wir ewigen Götter,Und kriegen wir leicht den göttlichsten Schnupfen,
70Und einen unsterblichen Husten.
Comments
Loading comments…