Die weiße Blume

In Vaters Garten heimlich stehtEin Blümchen traurig und bleich;Der Winter zieht fort, der Frühling weht,Bleich Blümchen bleibt immer so bleich.

5Die bleiche Blume schaut

Wie eine kranke Braut.

Zu mir bleich Blümchen leise spricht:Lieb Brüderchen, pflücke mich!Zu Blümchen sprech ich: Das thu’ ich nicht,

10Ich pflücke nimmermehr dich;

Ich such’ mit Müh und NothDie Blume purpurroth.

Bleich Blümchen spricht: Such’ hin, such’ her,Bis an deinen kühlen Tod,

15Du suchst umsonst, find’st nimmermehr

Die Blume purpurroth;Mich aber pflücken thu’,Ich bin so krank wie du.

So lispelt bleich Blümchen, und bittet sehr, –

20Da zag’ ich, und pflück’ ich es schnell.

Und plötzlich blutet mein Herze nicht mehr,Mein inneres Auge wird hell.In meine wunde BrustKommt stille Engellust.

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