Frieden (Buch der Lieder 1827)

Hoch am Himmel stand die Sonne,Von weißen Wolken umwogt,Das Meer war still,Und sinnend lag ich am Steuer des Schiffes,

5Träumerisch sinnend, – und halb im Wachen

Und halb im Schlummer, schaute ich Christus,Den Heiland der Welt.Im wallend weißen GewandeWandelt’ er riesengroß

10Ueber Land und Meer;

Es ragte sein Haupt in den Himmel,Die Hände streckte er segnendUeber Land und Meer;Und als ein Herz in der Brust

15Trug er die Sonne,

Die rothe, flammende Sonne,[341] Und das rothe, flammende SonnenherzGoß seine GnadenstrahlenUnd sein holdes, liebseliges Licht,

20Erleuchtend und wärmend,

Ueber Land und Meer.

Glockenklänge zogen feierlichHin und her, zogen wie Schwäne,Am Rosenbande, das gleitende Schiff,

25Und zogen es spielend an’s grüne Ufer,

Wo Menschen wohnen, in hochgethürmter,Ragender Stadt.

O Friedenswunder! Wie still die Stadt!Es ruhte das dumpfe Geräusch

30Der schwatzenden, schwülen Gewerbe,

Und durch die reinen, hallenden StraßenZogen Menschen, weißgekleidete,Palmzweig-tragende,Und wo sich Zwei begegneten,

35Sahn sie sich an, verständnißinnig,

Und schauernd, in Liebe und süßer Entsagung,Küßten sie sich auf die Stirne,Und schauten hinaufNach des Heilands Sonnenherzen,

40"]}' id="mwag">[342] Das freudig versöhnend sein rothes Blut

Hinunterstrahlte,Und dreimalselig sprachen sie:Gelobt sey Jesu Christ!

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