Gewitter (Buch der Lieder 1827)

Dumpf liegt auf dem Meer’ das Gewitter,Und durch die schwarze WolkenwandZuckt der zackige Wetterstrahl,Rasch aufleuchtend und rasch verschwindend,

5Wie’n Witz aus dem Haupte Kronions.

Ueber das wüste, wogende WasserWeithin rollen die DonnerUnd springen die weißen Wellenrosse,Die Boreas selber gezeugt

10Mit des Erichthons reizenden Stuten,

Und es flattert ängstlich das Seegevögel,Wie Schattenleichen am Styx,Die Charon abwies vom nächtlichen Kahn.

Armes, lustiges Schifflein,

15Das dort dahintanzt den schlimmsten Tanz!

Aeolus schickt ihm die flinksten Gesellen,[347] Die wild aufspielen zum fröhlichen Reigen;Der Eine pfeift, der Andre bläst,Der Dritte streicht den dumpfen Brummbaß –

20Und der schwankende Seemann steht am Steuer,

Und schaut beständig nach der Bussole,Der zitternden Seele des Schiffes,Und hebt die Hände flehend zum Himmel:O rette mich, Kastor, reisiger Held,

25Und Du, Kämpfer der Faust, Polydeukes!

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