Heinrich Heine’s Memoiren über seine Jugendzeit
„Es kommt mein Weib schön wie der Morgenund lächelt fort die deutschen Sorgen.“
„Hier, auf gewalkten Lumpen, soll ichMit einer Spule von der GansHinkritzeln ernsthaft halb, halb drollig,Versificirten Firlefanz –
Ich, der gewohnt mich auszusprechenAuf Deinem schönen Rosenmund,Mit Küssen, die wie Flammen brechenHervor aus tiefstem Herzensgrund!
O Modewuth! Ist man ein Dichter,Quält uns die eigne Frau zuletztBis man, wie andre Sangeslichter,Ihr einen Reim in’s Album setzt.“
„Wenn ich sterbe wird die ZungeAusgeschnitten meiner Leiche,Denn sie fürchten, redend käm’ ichWieder aus dem Schattenreiche!
Stumm verfaulen wird der TodteIn der Gruft, und nie verrathenWerd’ ich die an mir verübtenLächerlichen Frevelthaten!“
„Manch kostbar edle Perle birgtDer Ocean; manch schöne BlumeKüsst nie ein Menschenblick, nur stummeWaldeinsamkeit schaut ihr ErröthenUnd trostlos in der WildnißödeVergeudet sie die süßen Düfte.
Wenngleich tobsüchtig dort der WindDie Fluten peitschet, daß sie heulen,Und ihnen straks zu Hülfe eilenEntsetzlich gähnend aus den TiefenDie Ungethüme, die dort schliefen – –“
„Otilje lieb, Otilje mein,Du wirst wohl nicht die letzte seyn –Sprich, willst du hängen am hohen Baum?Oder willst du schwimmen im blauen See?Oder willst du küssen das blanke Schwert,Was der liebe Gott bescheert?“
„Ich will nicht hängen am hohen Baum,Ich will nicht schwimmen im blauen See,Ich will küssen das blanke Schwert,Was der liebe Gott bescheert!“
„Willst du küssen das blanke Schwert,Das der liebe Gott bescheert?“
„Sie küssten mich mit ihren falschen Lippen,Sie haben mir credenzt den Saft der Reben,Und haben mich dabei mit Gift vergeben –Das thaten mir die Magen und die Sippen.
Es schmilzt das Fleisch von meinen armen Rippen,Ich kann mich nicht vom Siechbett mehr erheben,Arglistig stahlen sie mein junges Leben –Das thaten mir die Magen und die Sippen.“ u. s. w.
„Ich ward bedrängt von schwarzen Sorgen,Ich mußte lügen, ich mußte borgenBei reichen Buben und alten Vetteln –Ich glaube sogar, ich mußte betteln“
Wandern!Wenn dich ein Weib verrathen hat,So liebe flink eine Andre;Noch besser wär’ es, du ließest die Stadt –Schnüre den Ranzen und wandre!
Du findest bald einen blauen See,Umringt von Trauerweiden;Hier weinst du aus dein kleines Wehund deine engen Leiden.
Wenn du den steilen Berg ersteigst,Wirst du beträchtlich ächzen;Doch wenn du den felsigen Gipfel erreichst,Hörst du die Adler krächzen.
Dort wirst du selbst ein Adler fast,Du bist wie neugeboren;Du fühlst dich frei, du fühlst: du hastDort unten nicht Viel verloren!
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