Himmelsbräute

Himmelsbräute.

Wer dem Kloster geht vorbeiMitternächtlich, sieht die FensterHell erleuchtet. Ihren UmgangHalten dorten die Gespenster.

5Eine düstre Prozession

Todter Ursulinerinnen;Junge, hübsche AngesichterLauschen aus Kapuz’ und Linnen.

Tragen Kerzen in der Hand,

10Die unheimlich bluthroth schimmern;

Seltsam wiederhallt im KreuzgangEin Gewisper und ein Wimmern.

Nach der Kirche geht der Zug,Und sie setzen dort sich nieder

15Auf des Chores Buchsbaumstühle

Und beginnen ihre Lieder.

[60]Litaneienfromme Weisen,

Aber wahnsinnwüste Worte;Arme Seelen sind es, welche

20Pochen an des Himmels Pforte.

„Bräute Christi waren wir,Doch die Weltlust und bethörte,Und da gaben wir dem Cäsar,Was dem lieben Gott gehörte.

25„Reizend ist die Uniform

Und des Schnurrbarts Glanz und Glätte;Doch verlockend sind am meistenCäsars goldne Epaulette.

„Ach der Stirne, welche trug

30Eine Dornenkrone weiland,

Gaben wir ein Hirschgeweihe –Wir betrogen unsern Heiland.

„Jesus, der die Güte selbst,Weinte sanft ob unserer Fehle,

35Und er sprach: Vermaledeit

Und verdammt sei eure Seele!

[61]„Grabentstieg’ner Spuk der Nacht,

Müssen büßend wir nunmehreIrre gehn in diesen Mauern –

40Miserere! Miserere!

„Ach, im Grabe ist es gut,Ob es gleich viel besser wäreIn dem warmen Himmelreiche –Miserere! Miserere!

45„Süßer Jesus, o vergieb

Endlich uns die Schuld, die schwere,Schließ’ uns auf den warmen Himmel –Miserere! Miserere!“

Also singt die Nonnenschaar,

50Und ein längst verstorb’ner Küster

Spielt die Orgel. SchattenhändeStürmen toll durch die Register.

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