Jammerthal

Der Nachtwind durch die Luken pfeift,Und auf dem DachstublagerZwei arme Seelen gebettet sind;Sie schauen so blaß und mager.

5 Die eine arme Seele spricht:

Umschling mich mit deinen Armen,An meinen Mund drück’ fest deinen Mund,Ich will an dir erwarmen.

Die andere arme Seele spricht:

10Wenn ich in dein Auge sehe,

Verschwindet mein Elend, der Hunger, der FrostUnd all’ mein Erdenwehe.

Sie küßten sich viel, sie weinten noch mehr,Sie drückten sich seufzend die Hände,

15Sie lachten manchmal und sangen sogar,

Und sie verstummten am Ende.

Am Morgen kam der Commissär,Und mit ihm kam ein braverChirurgus, welcher constatirt

20Den Tod der beiden Cadaver.

Die strenge Witt’rung, erklärte er,Mit Magenleere vereinigt,Hat Beider Ableben verursacht, sie hatZum Mindesten solches beschleunigt.

25 Wenn Fröste eintreten, setzt’ er hinzu,

Sei höchst nothwendig VerwahrungDurch wollene Decken; er empfahlGleichfalls gesunde Nahrung.

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