König Harald Harfagar

XXIII.König Harald Harfagar.

Der König Harald HarfagarSitzt unten in Meeresgründen,Bei seiner schönen Wasserfee;Die Jahre kommen und schwinden.

5Von Nixenzauber gebannt und gefeit,

Er kann nicht leben, nicht sterben;Zweihundert Jahre dauert schonSein seliges Verderben.

Des Königs Haupt liegt auf dem Schooß

10Der holden Frau, und mit Schmachten

Schaut er nach ihren Augen empor;Kann nicht genug sie betrachten.

[213]Sein goldnes Haar ward silbergrau,

Es treten die Backenknochen

15Gespenstisch hervor aus dem gelben Gesicht,

Der Leib ist welk und gebrochen.

Manchmal aus seinem LiebestraumWird er plötzlich aufgeschüttert,Denn droben stürmt so wild die Fluth

20Und das gläserne Schloß erzittert.

Manchmal ist ihm, als hört’ er im WindNormannenruf erschallen;Er hebt die Arme mit freudiger Hast,Läßt traurig sie wieder fallen.

25Manchmal ist ihm, als hört’ er gar,

Wie die Schiffer singen hier oben,Und den König Harald HarfagarIm Heldenliede loben.

[214]Der König stöhnt und schluchzt und weint

30Alsdann aus Herzensgrunde.

Schnell beugt sich hinab die WasserfeeUnd küßt ihn mit lachendem Munde.

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