Symbolik des Unsinns

"}}' id="mwAw"> Wir heben nun zu singen anDas Lied von einer Nummer,Die ist geheißen Nummer Drei;Nach Freuden kommt der Kummer.

5 Arabischen Ursprungs war sie zwar,

Doch christenthümlich frummerIn ganz Europa niemand war,Wie jene brave Nummer.

Sie war ein Muster der Sittlichkeit

10Und wurde roth wie ein Hummer,

Fand sie den Knecht im Bette der Magd;Gab beiden einen Brummer.

Des Morgens trank sie den KaffeeUm sieben Uhr im Summer,

15Im Winter um neun, und in der Nacht

Genoß sie den besten Schlummer.

"}}' id="mwOQ"> Jetzt aber ändert sich der Reim,Und ändern sich die Tage;Es muß die arme Nummer Drei

20Erdulden Pein und Plage.

Da kam ein Schuster und sagte: der KopfDer Nummer Drei, der säheWie eine kleine Sieben aus,Die auf einem Halbmond stehe.

25 Die Sieben sei aber die mystische Zahl

Der alten Pythagoräer,Der Halbmond bedeute Dianendienst,Er mahne auch an Sabäer.

Sie selber, die Drei, sei Schiboleth

30Des Oberbonzen von Babel;

Durch dessen Buhlschaft sie einst gebarDie heil’ge Dreieinigkeitsfabel.

Ein Kürschner bemerkte dagegen: die DreiSei eine fromme Trulle,

35Verehrt von unsern Vätern, die einst

Geglaubt an jede Schrulle.

"}}' id="mwfQ"> Da war ein Schneider, der lächend sprach,Daß gar nicht existireDie Nummer Drei, daß sie sich nur

40Befinde auf dem Papiere.

Als solches hörte die arme Drei,Wie eine verzweifelte EnteSie wackelte hin, sie wackelte her,Sie jammerte und flennte:

45 Ich bin so alt wie das Meer und der Wald,

Wie die Stern’, die am Himmel blinken;Sah Reiche entstehn, sah Reiche vergehn,Und Völker aufsteigen und sinken.

Ich stand am schnurrenden Webstuhl der Zeit

50Wohl manches lange Jahrtausend;

Ich sah der Natur in den schaffenden Bauch,Das wogte brausend und sausend.

Und dennoch widerstand ich dem SturmDer sinnlich dunkeln Gewalten –

55Ich habe meine Jungferschaft

In all dem Spektakel behalten.

Was hilft mir meine Tugend jetzt?Mich höhnen Weise und Thoren;Die Welt ist schlecht und ungerecht,

60Läßt Niemand ungeschoren.

Doch tröste dich, mein Herz, dir bliebDein Lieben, Hoffen, Glauben,Auch guter Kaffee und ein Schlückchen Rum,Das kann keine Skepsis mir rauben.

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