William Ratcliff

Mac-Gregor.(Er legt Douglas und Marias Hände in einander.)Ihr seyd jetzt Mann und Weib. Wie Eure HändeVereinigt sind, so sollen auch die Herzen,In Leid und Freud, vereinigt seyn auf immer.Zwey mächt’ge Sakramente, das der Kirche

Und das der Liebe, haben Euch verbunden;

Ein Doppelsegen ruht auf Euren Häuptern;Und auch den Vatersegen leg’ ich drauf.(Er legt segnend seine Hände auf beider Haupt.)

Douglas.Mit Stolz, Mylord, nenn’ ich Euch heute: Vater.

Mac-Gregor.Mit noch weit größerm Stolz nenn’ ich Euch: Sohn.(Sie umarmen sich.)

Margarethe.(Singt im abgebrochenen Wahnsinntone.)

„Was ist von Blut dein Schwert so roth? Edward, Edward?“

Douglas.(Erschrocken auffahrend und nach Margarethe schauend.)Um Gott, Mylord, welch gläsern geller Laut?Es fängt zu singen an, das stumme Bild –

Mac-Gregor.(Mit erzwungenem Lächeln.)Stör’t Euch nicht dran. Es ist die tolle Margreth’,Gehört zum Schloß. Sie leidet an der Starrsucht,

Seit Jahr und Tag. Mit stieren Augen liegt sie

Gekauert, manch’ unheimlich lange Stunde;Und dann und wann, wie’n Stein der sprechen kann,Bewegungslos, quäkt sie ein altes Lied –

Douglas.Warum behaltet Ihr im Schloß’ solch Schreckniß?

Mac-Gregor.(Leise zu ihm.)

Still, still. Sie hört jedwedes Wort; – schon lange

Hätt’ ich sie fortgeschafft – doch darf ich nicht.

Maria.Laßt ruhn die arme, gute Margarethe.Erzählt mir lieber etwas Neues, Douglas.Wie sieht’s in London aus? Bey uns in Schottland

Erfährt man nichts.

Douglas.Erfährt man nichts.Noch ist’s das alte Treiben.Man rennt, und fährt, und jagt, Straß’ auf Straß’ ab.Man schläft des Tags, und macht zum Tag die Nacht.Vauxhall und Routs und Picknicks drängen sich;Und Drurilane und Koventgarden locken.

Die Oper rauscht. Pfundnoten wechselt man

Für Musiknoten ein. God save the kingWird mitgebrüllt. Die Patrioten liegenIn dunkeln Schenken und politisiren,Und subskribiren, wetten, fluchen, jähnen,

Und saufen auf das Wohl des Vaterlands.

Rostbeef und Pudding dampft, der Porter schäumt,Und sein Rezept schreibt lächelnd der Quacksalber.Die Taschendiebe drängen. Gauner quälenMit ihrer Höflichkeit. Der Bettler quält

Mit seinem Jammeranblick und Gewimmer.

Vor allem quält die unbequeme Tracht,Der enge Wespenrock, das steife Halsband,Und gar der babilonisch hohe Thurmhuth.

Mac-Gregor.Da lob’ ich mir mein Plaid und meine Mütze.

Ihr thatet gut, daß Ihr die Narrenkleider

Vom Leib’ geworfen habt. Ein Douglas mußIm Aeußern auch ein Schotte seyn, und heuteLacht mir das Herz im Leib’, wenn ich Euch schaue,Euch alle, in der lieben Schottentracht.

Maria.

Erzählt mir was von Eurer Reise, Douglas?

Douglas.Zu Wagen fuhr ich bis an Schottlands Grenze.Das ging mir viel zu langsam. In Old-JedburghNahm ich ein Pferd. Ich gab dem Thier die Spor’n.

Mich selber aber spornte Liebessehnsucht.

Ich dachte nur an Euch, Marie, und pfeilschnell,

Durch Busch und Berg’ und Feld, trug mich mein Roß.Im Wald bey Invernes wär mir’s bald schlechtBekommen, daß ich in Gedanken ritt.Pif! Paf! erweckten mich aus meinen Träumen

Die Kugeln, die mir um die Ohren pfiffen.

Drey Straßenräuber stürzten auf mich ein.Ein Kampf begann. Es regneten die Hiebe.Ich wehrte mich der Haut; doch unterliegenHätt’ ich wohl müssen –Hätt’ ich wohl müssen O Weh! Marie erbleicht,

Und wankt, und sinkt –

(Margarethe springt hastig auf, und hält die in Ohnmacht fallende Maria in ihren Armen.)

Margarethe.Und wankt, und sinkt O Weh! mein rothes PüppchenIst kreideblaß, und kalt wie Stein. O Weh!(Halb singend, halb sprechend und Maria streichelnd.)„Püppchen klein, Püppchen mein,Schließe auf die Aeugelein!

Püppchen fein, du must seyn

Nicht so kalt wie Marmelstein.

Rosenschein, will ich streu’nAuf die weißen Wängelein.“ –

Mac-Gregor.Halt ein, verrücktes Weib, mit WahnsinnsprüchenBethörst du ihr noch mehr das kranke Haupt –

Margarethe.(Mit dem Finger drohend.)

Du? du? willst schelten? Wasch’ dir erst die Hände,

Die rothen Hände; du befleckst mit BlutKlein Püppchens weißes Hochzeitkleid. Geh fort.Ich rath’ dir gut.

Mac-Gregor.(Aengstlich)Ich rath’ dir gut. Die tolle Alte faselt! –

Margarethe.(Singend.)Püppchen klein, Püppchen mein,

Schließe auf die Aeugelein!

Maria.(Sie erwacht aus ihrer Ohnmacht und lehnt sich an Margarethe.)Erzählt nur weiter wie es ging. Ich höre.

Douglas.Es thut mir leid – was ich erzählt – doch hört:Ein andrer Reiter sprengte rasch herbey,Fiel jenen Räubern plötzlich in den Rücken,

Und hieb drauf los mit Kraft. Ich selbst bekam

Jetzt neuen Muth und freyes Spiel. Wir schlugenDie Hunde in die Flucht. Ich wollte dankenDem edeln Retter. Aber dieser rief:„Ich habe keine Zeit“ und jagte weiter.

Maria.(Lächelnd.)

Ach, Gott sey Dank! Ihr habt mich sehr geängstigt.

Jetzt bin ich wieder wohl. Margrethe führ’ mich.Freundinnen warten meiner in dem Saal.

Margarethe.(Aengstlich zu Mac-Gregor.)Du, sey nicht bös. Die arme Margreth’ istNicht immer toll.

Mac-Gregor.Nicht immer toll. Geht nur wir folgen gleich.

(Maria und Margaretha gehn ab.)

Douglas.

Ich staune, ist Marie so krankhaft reitzbar?

Sie ist so ängstlich heute; sie erbleichtUnd zittert bey dem leisesten Geräusch –

Mac-Gregor.Douglas! ich will und darf’s Euch nicht verhehlenWas heut so sehr Mariens Seele ängstigt.

Verzeiht daß ich’s Euch früher nicht eröffnet.

Tollkühn ist Euer Muth, und die Gefahr,Die ich mit Klugheit von Euch abgewendet,Hättet Ihr selber rastlos aufgesucht;Fort hätt’ es Euch getrieben ihn zu zücht’gen,

Den Frevler, der Mariens Ruhe störte.

Douglas.Wer darf Mariens Ruh’ gefährden, sprecht?

Mac-Gregor.Hört ruhig an die traurige Geschichte.Sechs Jahre sind es jetzt, da kehrte einBey uns in’s Schloß ein fahrender Student

Aus Edinburgh, mit Namen William Ratcliff.

Den Vater hatt’ ich einst gekannt, recht gut,Recht gut, recht gut, er hieß Sir Edward Ratcliff.Gastfreundlich nahm ich also auf den Sohn,Und gab ihm Speis und Obdach, vierzehn Tage.

Er sah’ Marie, und sah’ ihr in die Augen,

Und sah’ dort viel zu tief, begann zu seufzen,Zu schmachten und zu ächzen, – bis MariaIhm rund erklärte: daß er lästig sey.Die Liebe packt’ er in den Korb und ging. –

Zwey Jahre drauf kam Philipp Macdonald,

Der Earl von Ais, warb um Mariens Hand,Und warb mit gutem Glück, und nach sechs MondenStand am Altare, hochzeitlich geschmückt,Die holde Braut – der Bräut’gam aber fehlte.

Wir suchten überall, in allen Zimmern,

Im Hof, im Stall, im Garten – Ach! da fand manAm Schwarzenstein den Leichnam Macdonalds.

Douglas.Wer war der Mörder?

Mac-Gregor.Wer war der Mörder? Lange war vergeblichAll unser Forschen, – da gestand Maria

Daß sie den Mörder kenne, und erzählte:

In jener Nacht, die auf den Mordtag folgte,Sey William Ratcliff in ihr SchlafgemachPlötzlich getreten, habe lachend ihrDie Hand gezeigt, noch roth vom Blut des Bräutgam’s,

Und habe Macdonalds Verlobungsring

Ihr dargereicht mit zierlicher Verbeugung.

Douglas.Verruchtheit! Welcher Hohn! Was thatet Ihr?

Mac-Gregor.Ich ließ den Leichnam Macdonalds beysetzenIn seines eignen Schlosses Ahnengruft,

Und an der Stätte wo der Mord geschah,

Pflanzt’ ich ein Kreuz, zum ewigen Gedächtniß.Den Mörder Ratcliff suchte ich vergebens.Man hatte ihn zuletzt gesehn in London,Wo er, nach seiner Mutter Tod, sein Erbtheil

In Saus und Braus verpraßte, und nachher

Von Spiel und Borg, und gar, wie ein’ge sagen,Vom ritterlichen Straßenraube lebte.Verstrichen waren seit der Zeit zwey Jahre,Und Mord und Mörder waren fast vergessen,

Da kam hierher in unser Schloß Lord Duncan,

Hielt bey mir an um meiner Tochter Hand.Ich will’gte ein und mir gelang es auchMarias Jawort einem Mann’ zu schaffen,Der aus dem Stamm’ der Schottenkön’ge sproßt.

Doch wehe uns! Bald stand am Hochaltar’,

Festlich geschmückt, die heimlich bange Braut –Und Duncan lag am Schwarzenstein erschlagen!

Douglas.Entsetzlich!

Mac-Gregor.Entsetzlich! Auf! steigt auf zu Roß! rief ichDen Knechten, und wir jagten und wir suchten,

In Busch und Feld, in Wäldern und in Klüften,

Drey Tage lang, jedoch umsonst, wir fandenDie Spur des Mörders nirgends.Die Spur des Mörders nirgends. Ach! und dennoch,Dieselbe Nacht von jenem Schreckenstag’,Schlich William Ratcliff in Mariens Kammer,

Verhöhnte sie, und gab ihr zierlich grüßend

Des Bräutigams Verlobungsring zurück.

Douglas.Bey Gott! der Mensch ist kühn! den möcht’ ich treffen.

Mac-Gregor.Er war’s gewiß, den Ihr schon habt getroffen,Im Wald bey Invernes. Nur wundr’ ich mich

Daß keiner meiner Späher ihn gesehn; –

Denn, Graf, ich hab’ dafür gesorgt, daß ichNicht Euren Namen auch zu setzen brauche –Auf das Gedächtnißkreuz’ am Schwarzenstein.

Douglas.Aus Klugheit hat’s Mac-Gregor mir verschwiegen

Bis nach der Trauung. O, das ist ein Fuchs!

Doch messen möcht’ ich mich mit jenem Trotzkopf,Der finster grollend stets Marien ängstigt.Mir soll er nicht den Ring vom Finger ziehen,Denn wo mein Finger ist, ist auch die Hand.

Ich liebe nicht Marien, und ich bin

Auch nicht geliebt von ihr. Die ConvenienzHat unsern heut’gen Ehebund geschlossen.Doch herzlich gut bin ich dem sanften Mädchen.Ich möcht’ von Dornen ihre Pfade säubern –

Lesley.

Seyd Ihr Graf Douglas?

Douglas.Seyd Ihr Graf Douglas? Ja ich bin’s, was wollt Ihr?

Lesley.(Er giebt ihm einen Brief.)So ist an Euch dies niedliche Billet.

Douglas.(Er hat den Brief gelesen.)Ja, ja! Sagt ihm ich komm’. Am Schwarzenstein!

Tom.(Leise.)Sag’, Willie, kannst du auch das Vaterunser?

Willie.(Lachend und laut.)Wie’n Donnerwetter.

Tom.Wie’n Donnerwetter. Sprich nur nicht so laut,

Du weckst mir ja die müden Leute auf.

Willie.Nun soll’s jetzt losgehn?

Tom.Nun soll’s jetzt losgehn? Ja, doch nicht zu rasch.

Willie.(Schnell.)„Vater unser im Himmel, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe auf Erden, wie im Himmel. Gieb uns unser täglich Brod immerdar. Und vergieb uns unsre Sünden; denn auch wir vergeben allen die uns schuldig sind. Und führe uns nicht –(stottert)Und führe uns nicht – führe uns nicht – führe uns nicht –“

Tom.Siehst du? Du stotterst. „Führe uns nicht in Versuchung;“Fang’ wieder an von vorn’.

Willie.(Sieht immer nach William Ratcliff und spricht ängstlich und unsicher.)

„Vater unser im Himmel, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe auf Erden, wie im Himmel. Gieb uns unser täglich Brod immerdar. Und vergieb uns unsre Sünden;

denn auch wir vergeben allen die uns schuldig sind. Und führe uns nicht –(stottert)Und führe uns nicht – führe uns nicht – führe uns nicht –“

Tom.(Aergerlich.)„In Versuchung!“

Willie.(Weinend.)„In Versuchung!“ Lieber Vater, sonst ging mir’sVom Maul wie Wasser. Aber der dort sitzt –(Er zeigt auf William Ratcliff.)Der sieht mich immer an mit schlimmen Augen.

Tom.Heut Abend, Willie, kriegst du keine Fische,(Drohend.)

Und stiehlst du sie mir wieder aus dem Kasten –

Willie.(Weinend und im Vaterunsertone)„Führe uns nicht in Versuchung!“

Ratcliff.Laßt nur den Buben gehn. Auch ich hab’ nieIm Kopf behalten können diese Stelle.(Schmerzlich.)„Führe uns nicht in Versuchung!“

Tom.

Auch thät mir’s Leid wenn einst der Bube würde

Wie Ihr und diese dort.(Zeigt nach den Schlafenden.)Wie Ihr und diese dort. Jetzt geh’ nur, Willie.

Willie.(Abgehend und weinerlich vor sich hinmurmelnd.)„Führe uns nicht in Versuchung!“

Ratcliff.(Lächelnd.)Wie meint Ihr das?

Tom.Wie meint Ihr das? Fromm, christlich soll er werden;Kein solcher Galgenstrick, wie ich, sein Vater.

Ratcliff.(Spöttisch.)

Ihr seyd so schlimm noch nicht.

Tom.Ihr seyd so schlimm noch nicht. Jetzt freilich bin ichEin zahmes Thier, und zapfe Bier, ein Wirth.Und weil mein Häuschen hübsch versteckt im Wald’ liegt,Beherberg’ ich nur große Herrn wie Ihr,Die gerne das Inkognito behaupten,

Am Tage schlafen und des Abends ausgehn.

Ich gebe Tagsquartier statt Nachtquartier.Ja einst mondsüchtelte ich auch, und schwärmte(Macht eine Fingerbewegung.)In fremde Häuser und in fremde Taschen.Doch nie hab ich’s so toll gemacht wie diese.(Er zeigt nach den Schlafenden.)

Seht diesen Fuchskopf. Das ist ein Genie!

Der hat ein angeborenes Gelüste

Nach fremden Taschentüchern. Stiehlt wie’n Rabe.Ey, seht, wie er im Schlafe hastig fingert!Er stiehlt sogar im Traum. Seht nur er schmunzelt.

Der Lange dort, mit magern Heuschreckbeinen,

War einst ein Schneider; mauste anfangs Läppchen,Bald aber Lappen, endlich Stücke Tuch.Mit Noth ist er dem Hängen einst entronnen;Seitdem hat er das Zucken in den Beinen.

Seht, wie er zappelt! O, ich wett’ er träumt

Von einer Leiter, wie der Vater Jakob.Doch seht mahl dort den alten, dicken Robin,Wie er so ruhig liegt, und schnarcht, und Ach!Der hat schon zehn Mordthaten auf der Seele.

Ja, wenn er noch katholisch wär’, wie wir,

Und absolviren könnt’! Er ist ein Ketzer,Und nach dem Hängen muß er dort noch brennen.

Ratcliff.(Er ist immer unruhig im Zimmer auf und abgegangen, und sieht beständig nach der Uhr.)Glaubt’s nicht, der alte Robin wird nicht brennen.Dort oben giebt es eine andre Jury

Als hier in Großbritanien. Robin ist

Ein Mann; und einen Mann ergreift der Zorn,Wenn er betrachtet wie die Pfennigseelen,Die Buben, oft im Ueberflusse schwelgen,In Sammt und Seide schimmern, Austern schlürfen,

Sich in Champagner baden, in dem Bette

Des Doctor Grahams ihre Kurzweil treiben,In goldnen Wagen durch die Straßen rasseln,Und stolz herabsehn auf den Hungerleider,Der, mit dem letzten Hemde unter’m Arm,

Langsam und seufzend nach dem Leihhaus wandert.

(Bitter lachend.)O seht mir doch die klugen, satten Leute,Wie sie mit einem Walle von Gesetzen,Sich wohlverwahret gegen allen AndrangDer schreiend überläst’gen Hungerleider!

Weh’ dem, der diesen Wall durchbricht!

Bereit sind Richter, Henker, Stricke, Galgen, –Je nun! manchmal giebt’s Leut’, die das nicht scheu’n.

Tom.So dacht’ ich auch, und theilte ein die MenschenIn zwey Nationen, die sich wild bekriegen;

Nemlich in Satte und in Hungerleider.

Weil ich zu letzterer Parthey gehörte,So mußt’ ich mit den Satten oft mich balgen.Doch hab’ ich eingesehn der Kampf ist ungleich,Und zieh’ allmählig mich zurück vom Handwerk.

Ich bin es müd’: unstät herumzustreichen,

Niemand in’s Aug’ zu schau’n, das Licht zu flieh’n,An jedem Galgen, im Vorbeigehn, ängstlichHinaufzuschaun ob ich nicht selbst dran hänge,Und nur zu träumen von Botany-Bay,

Vom Zuchthaus und vom ew’gen Wollespinnen.

Wahrhaftig, das ist nur ein Hundeleben!Man wird durch Busch und Feld gehetzt wie’n Wild,In jedem Baume sieht man einen Häscher,Und sitzt man auch in still verborgner Kammer,

Erschrickt man wenn die Thür sich öffnet –

Lesley.Er kömmt! Er kömmt!

Ratcliff.Er kömmt! Er kömmt! Er kömmt? Wohlan so gilt’s.

Tom.(Aengstlich.)Wer kömmt? seit ein’ger Zeit bin ich so schreckhaft –

Lesley.(zu Tom)Beruh’ge dich, und laß uns jetzt allein.

Tom.(Mit pfiffiger Miene.)Ha! Ich versteh’, Ihr habt jetzt was zu theilen.

Ratcliff.

Er kömmt? So will ich gehn.

(Er greift nach Huth und Degen.)

Lesley.(Hält ihn zurück.)Er kömmt? So will ich gehn. Ho! ho! so geht’s nicht.Erst muß es dunkler seyn. Man paßt dir auf.Mac-Gregors Knechte lauern. Wie du aussiehstWeiß jedes Kind; man hat dich gut beschrieben.Wahrhaftig sag’ mir mahl, was soll der Spaß?

Du suchst Gefahr, Gefahr, die dir nicht nützt.

Geh’ mit zurück nach London; bist dort sicher.Du solltest meiden diese schlimme Gegend.Man weiß es daß du Macdonald und DuncanSo abgemurkst.

Ratcliff.(Mit trotziger Würde.)So abgemurkst. Nicht abgemurkst. Im Zweikampf

Fiel Macdonald und Duncan. Ehrlich focht ich;

Und auch mit Douglas will ich ehrlich fechten.

Lesley.Erleichtre dir’s. Verstehst ja italienisch.(Macht eine Banditenbewegung.)Doch sprich, wo trat dir Douglas in den Weg?Was that er dir? Woher dein Groll, dein Haß?

Ratcliff.

Ich sah ihn nie; ich sprach ihn nie; er that

Mir niemals was zu leid; ich hass’ ihn nicht.

Lesley.Und doch willst du sein Lebenslicht auslöschen?Bist du verrückt? Bin ich verrückt? daß ichBehülflich bin zu solchem Tollhausstreich!

Ratcliff.

Weh’ dir, wenn du begriffest solche Dinge!

Weh’ deinem Hirnfutral, es müste bersten,Und Wahnsinn würde gucken aus den Ritzen!Wie eine Eyerschale würde berstenDein armer Kopf, und wär’ er so geräumig

Als wie die Kuppel der Westminsterkirche.

Lesley.(Fühlt sich ironisch ängstlich den Kopf.)Du machst mich bang; O schweige lieber still!

Ratcliff.Glaub’ nicht ich sey ein weicher Mondscheinheld,Ein Bilderjäger, der vom eignen Windhund,Von Phantasie, durch Nacht und Höll’ gehetzt wird,

Ein magenkrank schwindsüchtelnder Poet,

Der mit den Sternen Unzucht treibt, der LeibschmerzVor Rührung kriegt, wenn Nachtigallen trillern,Der sich aus Seufzern eine Leiter baut,Und mit dem seidnen Strick verschlungner Reime

Sich aufhängt an der Säule seines Ruhms.

Lesley.Das könnt’ ich selbst im Nothfall wohl beschwören.

Ratcliff.Und doch gesteh’ ich – spaßhaft mag’s dir klingen –Es giebt entsetzlich seltsame Gewalten,Die mich beherrschen; dunkle Mächte giebt’s,

Die meinen Willen lenken, die mich treiben

Zu jeder That, die meinen Arm regieren,Und die schon in der Kindheit mich umrauschten.Als Knabe schon, wenn ich alleine spielte,Gewahrt’ ich oft zwey neblichte Gestalten,

Die weit ausstreckten ihre Nebelarme,

Sehnsüchtig sich in Lieb umfangen wollten,Und doch nicht konnten, und sich schmerzlich ansahn!Wie luftig und verschwimmend sie auch schienen,Bemerkt’ ich dennoch auf dem einen Antlitz

Die stolzverzerrten Züge eines Mannes,

Und auf dem andern milde Frauenschönheit.Oft sah ich auch im Traum die beiden Bilder,Und schaute dann noch deutlicher die Züge;Mit Wehmuth sah mich an der Nebelmann,

Mit Liebe sah mich an das Nebelweib. –

Doch als ich auf die hohe Schule kam,Zu Edinburgh, sah ich die Bilder seltner,Und in dem Strudel des StudentenlebensVerschwammen meine bleichen Traumgesichte.

Da brachte mich auf einer Ferienreise

Zufall hierher, und nach Mac-Gregors Schloß.

Maria sah ich dort! Mein Herz durchzuckteEin rascher Blitz, bei ihrem ersten Anblick.Es waren ja des Nebelweibes Züge,

Die schönen, stillen, liebefrommen Züge,

Die mich so oft im Traume angelächelt!Nur war Mariens Wange nicht so bleich,Nur war Mariens Auge nicht so starr.Die Wange blühte und das Auge blitzte;

Der Himmel hatte allen Liebeszauber

Auf dieses holde Bild herabgegossen;Die Hochgebenedeite hatte selbstMit Heil’genschein umschmückt die Namensschwester;Und von der Liebe Sehnsuchtweh ergriffen,

Streckt’ ich die Arme aus sie zu umfangen –

(Pause.)

Ich weiß nicht wie es kam, im nahen SpiegelSah ich mich selbst – Ich war der Nebelmann,Der nach dem Nebelweib die Arme ausgestreckt!War’s eitel Traum? War’s Phantasieentrug?

Maria sah mich an so mild, so freundlich,

So liebend, so verheißend! Aug’ in AugeUnd Seel’ in Seele tauchten wir. O Gott!Das dunkle Urgeheimniß meines LebensWar plötzlich mir erschlossen, und verständlich

War mir der Gang der Vögel, und die Sprache

Der Blumen, und der Liebesgruß der Sterne,Der Hauch des Zephyrs und des Baches Murmeln,Und meiner eignen Brust geheimes Seufzen!Wie Kinder jauchzten wir, und spielten wir.

Wir suchten uns, und fanden uns im Garten.

Sie gab mir Blumen, Myrten, Locken, Küsse;Die Küsse gab ich doppelt ihr zurück.Und endlich sank ich hin vor ihr auf’s Knie,Und bat: O sprich, Maria, liebst du mich?(Versinkt in Träumerey.)

Lesley.

Da hätt’ ich dich doch sehen mögen, Ratcliff,

Die starken Fäuste bittend fromm gefalten,Das funkelnd wilde Aug’ sehnsüchtig schmachtend,Und zärtlich sanft die Stimm’, die auf der LandstraßDem reichen Lord so schrecklich in’s Gehör schallt.

Ratcliff.(Wild ausbrechend.)

Verfluchte Schlang’! Mit seltsam scheuen Blicken,

Und Widerwillen fast, sah sie mich an,Und höhnisch knixend sprach sie frostig: Nein!Noch hör’ ich’s lachen unter mir: Nein! nein!Noch hör’ ich’s seufzen über mir: Nein! nein!

Und klirrend schlagen zu des Himmels Pforte!

Lesley.Das war ja ganz infam und niederträchtig.

Ratcliff.Mac-Gregors Schloß verließ ich, und ich reisteVon dort nach London; im Gewühl der HauptstadtDacht’ ich des Herzens Qual zu übertäuben.

Ich war mein eigner Herr, denn meine Eltern

Verlor ich früh’, noch eh’ ich sie gekannt hab’.Schlecht, schlecht gelang mir der Betäubungsplan.Portwein, Champagner, alles wollt’ nicht fruchten;Nach jedem Glase ward mein Herz betrübter.

Blondinen und Brünetten, keine konnt’

Forttändeln und fortlächeln meinen Schmerz.

Sogar beim Pharo fand ich keine Ruh’.Maria’s Aug’ schwamm auf dem grünen Tische;Maria’s Hand bog mir die Parolis;

Und in dem Bild der eckigen Coeur-Dame

Sah ich Maria’s himmelschöne Züge!Maria war’s, kein dünnes Kartenblatt;Maria war’s, ich fühlte ihren Athem;Sie winkte: ja! sie nickte: ja! – va banque! –

Zum Teufel war mein Geld, die Liebe blieb.

Lesley.(Lacht.)Ha! ha! da zogst du aus dem Stall dein Rößlein,Schwangst dich hinauf, wie’s Schottlands Rittern ziemt,Und wie die Ahnen lebtest du vom Stegreif.Die Liebe ist dir jetzt gewiß vergangen;

Man wird schon nüchtern, wenn man oft des Nachts

Durch Wind und Wetter reitet, und beim GalgenVorbeikömmt, und dort gute Freunde sieht,Die pendulartig mit den Beinen grüßen.

Ratcliff.Oehl kam in’s Feuer. Wilder nur entbrannte

In mir die wilde Sehnsucht nach Marien.

In England ward’s mir oft zu eng; nach SchottlandZog’s mich mit unsichtbaren Eisenarmen.Nur in Mariens Nähe schlaf’ ich ruhig,Und athm’ ich frey, und ist mir nicht so ängstlich,

Und ist mir wohl – denn höre mein Geheimniß:

Geschworen hab’ ich bey dem Wort des Herrn,Und bey der Macht des Himmels und der Hölle,Und hab’ mit grausem Fluch den Schwur besiegelt, –„Von dieser Hand soll fallen der Vermess’ne,

Der’s wagt Marien bräutlich zu umfangen.“

Die Stimm’ in meiner Brust sprach diesen Schwur,Und blindlings dien’ ich jener dunkeln Macht,Die mit mir kämpft, wenn ich Mariens FreyernAm Schwarzenstein ein Rosenbett bereite.

Lesley.

Jetzt erst versteh’ ich dich; doch billg’ ich nichts.

Ratcliff.Billg’ ich’s denn selbst? Nur jene Stimme hier,Die fremde Stimm’, die sich hier eingenistet,Sagt: ja; nur jene Bilder nicken Beifall,

Die ich im Traume seh’ –(Aufschreyend.)Die ich im Traume seh’ Jesus Maria!

Dort! dort! siehst du? dort, dort! Die Nebelmenschen!

(Es ist dunkler geworden. Man sieht zwey neblichte Gestalten über die Bühne schwanken und verschwinden. – Die im Hintergrunde liegenden Räuber und Gauner, durch Ratcliffs Schrey aus dem Schlafe geweckt, springen auf, mit dem Ausrufe: „Was giebt’s? Was giebt’s?“)

Lesley.Was giebt’s? Was giebt’s? Bist du des Teufels Ratcliff?Ich sehe nichts.

Mehrere.Ich sehe nichts. Was sieht er? Sieht er Häscher?

Lesley.Nein, just das Gegentheil, denn Geister sieht er.

(Alle Lachen.)

Robin.(Verdrießlich.)God damn! man hat auch keine Ruh’ am Tag.

Ratcliff.

Ich will jetzt gehn; ’s ist Nacht.

Lesley.Ich will jetzt gehn; ’s ist Nacht. Ich gehe mit.

Ratcliff.Das leid’ ich nicht.

Lesley.Das leid’ ich nicht. Nur bis zum Schwarzenstein;Vielleicht stehn Wachen dort.

Ratcliff.Vielleicht stehn Wachen dort. Die Angst treibt sieSchon weg; dort ist es nicht geheu’r des Nachts.

Lesley.Lebt wohl, Ihr Herrn!

Ratcliff.Lebt wohl, Ihr Herrn! Lebt wohl!

Alle.Lebt wohl, Ihr Herrn! Lebt wohl! Gott segne Euch.

Robin.

God damn! der ist besoffen oder toll.

Dick.So war er immer, denn ich kenn’ ihn nochVon London her. In Rascal-Tavern hab’ ichIhn oft gesehn. Er pflegte StundenlangMit krauser Stirn’ zu sitzen in der Ecke,

Und immer still und stumm in’s Licht zu starr’n.

Oft saß er zwischen uns vergnügt und lachend –Nur lacht er gar zu hell – erzählte Späße –Nur gar zu wilde Späße – und er warVergnügt und lachte – O da zuckte plötzlich

Und gräßlich spöttisch seine Oberlippe,

Ein Ton des Schmerzes pfiff aus seiner Brust,Und wüthend sprang er auf: „Johann, mein Pferd“ –Und ritt zum Teufel, und er kam nach ein’genMonaten erst zurück. Nach Schottland, sagt man,

Pflegt’ er alsdann zu reiten, Tag und Nacht.

Robin.O, der ist krank.

Dick.O, der ist krank. Was kümmert’s mich? Lebt wohl.

Bill.Es ist schon Zeit daß man zur Arbeit geht.(Betend vor dem Heil’genbilde.)Beschütz’ mich in Gefahr und gieb mir Segen!

Robin.(Hält sich seine Faust vor’m Gesicht.)Mein Schutzpatron, beschütz mich in Gefahr.

Tom.(Mit schlauer Miene.)

Sie dürfen mich nicht vor Gericht verklagen.

(John und Taddie wachen auf.)

John.(Gähnend.)Der Schlaf ist doch die köstlichste Erfindung!

Taddie.(Gähnend.)Komm, John, zum Frühstück.

John.Komm, John, zum Frühstück. Frühstück! Was giebt’s neues?

Taddie.Gewiß hat man Freund Riffel heut gehängt.

John.Das Hängen ist die schlechteste Erfindung.

Ratcliff allein.

Hui, wie das pfeift! Die Hölle hat all’ ihre

Querpfeifer ausgesandt. Die spielen auf.Der Mond hüllt sich in seinen weiten Plaid,Und schüttelt nur ein sparsam Licht herab.Ha! ha! mein’thalb kann er sich ganz verhüllen.

Denn wie’s auch dunkel sey, die Schneelavine

Bedarf nicht der Laterne um zu schaunWohin sie rollen soll; es wird das EisenDen Weg zu dem Magnet’ von selber finden;Und ohne Meilenzeiger findet Ratcliffs

Erprobtes Schwert den Weg zu Douglas Brust.

Ob auch das Gräflein kömmt? Ob nicht der Sturm,

Die Furcht vor Schnupfen, Husten und ErkältungEs gar zurückhält? Und es denkt vielleicht:Ich will’s auf Morgen Nacht verschieben. Ha! ha!

Und just um diese Nacht ist’s mir zu thun.

Kömmt er nicht her, so komme ich zu ihmIn’s Schloß.(An sein Schwert schlagend.)In’s Schloß. Der Schlüssel paßt für alle Zimmer;Und diese Freunde(Legt die Hand an die Pistolen im Gürtel.)Und diese Freunde decken mir den Rücken.(Nimmt eine Pistole heraus und betrachtet sie.)Der sieht mich an so ehrlich; gerne möcht’ ich

Auf seinen Mund festdrücken meinen Mund,

Und drücken –Und drücken – Ach, nach solchem FeuerkusseDa wär’ mir wohl, und wich’ mein wildes Weh!(Sinnend.)Vielleicht im selben Augenblick’ drückt DouglasGleichfalls den Mund fest auf Mariens Mund –

Ha! ha! das ist’s. Deßhalb darf ich nicht sterben.

Ich müßt’ allnächtlich aus dem Grabe steigen,Und als ohnmächt’ger Schatten knirschend zusehn:Wie’n Gimpel, mit dem lüstern Mopsgesicht’,Beschnüffelt und begafft Mariens Reitze.

Ich darf nicht sterben. Käm’ ich in den Himmel

Und schaute, durch den Ritz der Himmelsdecke,Zufällig in Graf Douglas Schlafgemach –Ich würde fluchen, daß den frommen EngleinErblassen würden ihre rothen Backen,

Und ängstlich in der Kehle stecken bliebe

Das wäss’rig langgezogne Hallelujah.Und bin ich mahl verdammt zur ew’gen Hölle,Wohlan, so will ich auch ein Teufel seyn,Und nicht ein jämmerlicher, armer Sünder.

Ratcliff.

Horch, horch, ich höre Tritte!

(ruft laut.)Horch, horch, ich höre Tritte! Holla! holla!Wer bist du, der sich dorten naht? Gieb Antwort?

Douglas.Die Stimm’ ist mir bekannt. Es ist die StimmeDes edeln Reiters, der mich jüngst gerettetAus Räuberklau’n, im Wald bey Inverneß.(Nähert sich ihm.)

Ja, ja, Ihr seyd’s, jetzt könnt Ihr nicht entrinnen.

Ich muß Euch danken für die edle That.

Ratcliff.O, spart den Dank. Es war nur eine GrilleDaß ich Euch half. Drey lagen über Euch.Das war zu viel. Wär’s Einer nur gewesen,

Bey Gott! ich wäre still vorbeygeritten.

Douglas.Seyd nicht so grämlich. Laßt uns Freunde werden.

Ratcliff.Wohlan es sey. Doch als Beweis der Freundschaft,Müßt Ihr mir eine Bitte gleich gewähren.

Douglas.Sprecht nur. Mit Leib und Seel’ gehör’ ich euch.

Ratcliff.

Mein neuer Freund, verlaßt jetzt diesen Platz;

(Lachend.)Es seye denn daß ihr Graf Douglas hießet.

Douglas.(Befremdet.)Bey Gott, so heiß’ ich.

Ratcliff.Bey Gott, so heiß’ ich. Was? Ihr heißt Graf Douglas?(Lachend.)O, das ist schlimm, so ist es ja schon ausMit unsrer hübschen, neugebacknen Freundschaft;

Denn wißt, Herr Graf, ich heiße – William Ratcliff.

Douglas.(Wild und das Schwert ziehend.)Du bist der Mörder Macdonalds und Duncans?

Ratcliff.(Zieht sein Schwert.)Ich bin’s, und um das Kleeblatt vollzumachenHab’ ich auch Euch, Herr Graf, hierher beschieden.

Douglas.(Stürzt auf ihn ein.)Verruchter Mörder, wehr’ dich deiner Haut.

(Gefecht.)

Ratcliff.

Ha! ha! ich schlag’ so gut ich kann. Ha! ha!

Douglas.Lach’ nicht so gräßlich auf.

Ratcliff.(Lachend.)Lach’ nicht so gräßlich auf. Ich lache nicht,Das thun die bleichen Nebelmenschen dort –

Douglas.Lach’ wie du willst. Ihr Schatten MacdonaldsUnd Duncans steht mir bey!

Ratcliff.Und Duncans steht mir bey! Teufel und Hölle!

Der todte Duncan fängt die Hiebe auf.

Misch’ dich nicht ein, verfluchter, todter Fechter!

Douglas.Ha! ha! der Hieb der saß!

Ratcliff.Ha! ha! der Hieb der saß! Tod und Verrath!Jetzt kommt der Macdonald noch obendrein, –Das ist zuviel – Drey gegen Einen –(Er weicht zurück, und stolpert über das Piedestal des Monuments.)Das ist zuviel – Drey gegen Einen Ha!

Fluch und Verdammniß! Ratcliff liegt am Boden –

Stoßt zu, stoßt zu! ich bin Eu’r gröster Feind.

Douglas.(Kalt.)Ihr habt jetzund des Douglas Schwert erprobt.Vielleicht verdankte ich Euch jüngst das Leben.Jetzt sollt Ihr’s mir verdanken. Wir sind quitt.

Ich denk’ Ihr kennt mich jetzt, und die Lection

Hat Euch vielleicht das böse Herz gebessert.

Ratcliff.(Er steht langsam und betäubt auf.)War’s eine Menschenstimme? War’s der Wind?Ein wahnsinnschwangres Wort summt mir im Ohr.War es ein toller Traum? Wo bin ich denn?

Was ist das für ein Kreuz, und was steht drauf?

(Er liest die Inschrift des Monuments)„Graf Duncan und Lord Macdonald sind hierVon Gottverfluchter Hand ermordet worden.“(Auffahrend.)Es ist kein Traum. Ich bin am Schwarzenstein,Und bin besiegt, verspottet und verachtet!

Boßhafte Winde kichern mir in’s Ohr:

Hier steht der Mann, der starke Riesengeist,Der Großbritaniens Menschen und Gesetze

Verhöhnt, der trotzig mit dem Himmel rechtet –Nun kann er’s nicht verhindern daß Graf DouglasHeut Nacht in seines Liebchens Armen liegt,

Und lachend ihr erzählet, wie der Wurm,

Der William Ratcliff heißt, am SchwarzensteinSich krümmte, jämmerlich am Boden krümmte,Und wie des Douglas Fuß ihn nicht zertreten,Um sich nicht zu besudeln –(In Wuth ausbrechend.)Um sich nicht zu besudeln – O, verfluchte,

Verdammte Hexen, lacht nicht so entsetzlich,

Reibt nicht verhöhnend Eure Zeigefinger!Ich werfe Felsen auf Eu’r scheußlich Haupt,Ich reiße Schottlands Tannenwälder aus,Und geißle Euch damit den gelben Rücken,

Und mit dem Fuß’ stampf’ ich das schwarze Gift

Aus Euren dürren, Gottverhaßten Leibern!Rast, Winde, rast, zersaust, zerreißt die Welt!Brich, Himmelsdecke, und zermalme mich!Erde, vernachte und verschlinge mich!(Halb wild, halb ängstlich, und in einen geheimnißvollen Ton übergehend.)

Verdammter Doppelgänger, Nebelmensch,

Anglotze mich nicht mit den stieren Augen –Mit deinen Augen saugst du aus mein Blut,Erstarren machst du mich, Eiswasser gieß’st duIn meine glüh’nden Adern, machst mich selbst

Zum todten Nachtgespenst – du zeigst dorthin?

Mit langem Nebelarm zeigst du dorthin?Soll ich? Marie? Die weiße Taube? Blut?Soll ich? Hollah, wer spricht? Das war kein Wind.Maria soll ich mit mir nehmen? Nickst du?

Es sey, es sey, mein Wille ist von Eisen,

Und ist allmächt’ger noch als Gott und Teufel.

Maria.Ach Gott! mir ist so ängstlich –

Margarethe.Ach Gott! mir ist so ängstlich ’s thut das Schnürleib.Komm’ her, ich will dich ausziehn, liebes Püppchen(Sie hilft Marien bei’m Auskleiden.)

Maria.Das Herz ist mir beklommen.

Margarethe.Das Herz ist mir beklommen. Ey, mein Püppchen,

Graf Douglas ist ein hübscher Mann.

Maria.(Heiter lachend.)Graf Douglas ist ein hübscher Mann. Das ist er!Und lustig, und verträglich, und ein Mann!

Margarethe.Ist Püppchen auch verliebt?

Maria.Ist Püppchen auch verliebt? Verliebt? verliebt?O, das ist dumm. Man muß sich leiden können.

Margarethe.Man sprach nicht immer so. Als William Ratcliff –

Maria.(Hält ihr ängstlich den Mund zu.)

O, bitte, bitte, bitte, sprich nicht aus

Den bösen Namen, es ist Nacht und spät –

Margarethe.Mein Püppchen war verliebt.

Maria.Mein Püppchen war verliebt. Ach nein! Im AnfangDa schien er lämmchensanft, und sein GesichtDas schien mir so bekannt, und seine Stimme

Klang mir so weich, und auch sein Odem

That meiner Wange heimlich wohl, sein Auge,Das schaute gar zu spaßhaft lieb und fromm –(Zusammenschauernd).

Doch plötzlich sah er aus wie ein Gespenst,So blaß, so starr und wild verzerrt und blutig,

Und drohend grimm, als wollt’ er mich ermorden –

Er sah fast ähnlich jenem Nebelmann,Der oft im Traum’ die Arme nach mir ausstreckt,Und mich so lang entsetzlich zärtlich anschaut,Bis daß ich selbst ein luft’ges Bildniß werde,

Und neblicht selbst ausbreite meine Arme.

Margarethe.Du bist doch just wie deine sel’ge Mutter;Sie that so bös, und doch wie eine Katz’War sie verliebt in Ratcliff –

Maria.War sie verliebt in Ratcliff Wie, in Ratcliff?

Margarethe.In Edward Ratcliff, William Ratcliffs Vater –

O, deine Mutter war so hübsch, so hübsch!

Sie hieß Schön-Betty. Locken hatte sieWie pures Gold, und Händ’ wie Marmelstein,Und Augen – O die kannte Edward Ratcliff!Der sah den ganzen Tag hinein, und hat

Sich fast die eignen Augen ausgeguckt –

Und singen konnt’ sie wie die Nachtigall;Und wenn sie an dem Heerde saß und sang:(sie singt.)„Was ist von Blut dein Schwert so roth, Edward? Edward?“So blieb die Köchinn still stehn, und der Braten

Verbrannte jedesmahl – Ach Gott! ich wollte

Ich hätt’ ihr nie das böse Lied gelehrt.(Sie weint.)

Maria.O, liebe Marg’reth, O erzähl’ mir das.

Margarethe.Schön-Betty, deine Mutter, saß alleinUnd sang:(sie singt.)

„Was ist von Blut dein Schwert so roth, Edward? Edward?“ –

Da sprang in’s Zimmer plötzlich Edward Ratcliff,Und sang im selben Tone trotzig weiter:(sie singt.)„Ich habe geschlagen mein Liebchen todt, – Mein Liebchen war so schön, O!“

Da hat Schön-Betty sich so sehr entsetzt

Daß sie den armen, wilden Edward nimmer

Wollt’ wiedersehn; und um ihn noch zu ärgernHeurathete sie deinen Vater. Edward Ratcliff,Der wurde toll vor Wuth, und um zu zeigenDaß er Schön-Betty leicht entbehren könne,

Nahm er zur Frau, ganz aus Verzweiflungstrotz

Lord Campbels Jenny, und der William Ratcliff,Das ist der Sohn aus dieser tollen Ehe.

Maria.Die arme Mutter!

Margarethe.Die arme Mutter! Ey, Schön-Betty warEin eigensinnig Ding. Ein ganzes Jahr lang

Hat sie den Namen Ratcliff nie genannt.

Doch wie zum zweiten Mahl October kam –Ich glaub’ es war just Ratcliffs Namenstag –Da frug sie, wie von ungefähr: „Margreth’Hast du von Edward nichts gehört?“ O, sagt’ ich,

Der hat die Jenny Campbel sich zur Frau

Genommen. „Campbels Jenny?“ rief Schön-Betty,

Und wurde blaß und roth, und bitterlichFing sie zu weinen an – dich hielt ich justIm Schooß’, Marie, drey Monath warst du alt –

Und du fingst auch zu weinen an, – und ich,

Um nur Schön-Bettys Thränen fortzuschwatzen,Erzählte ihr: der Edward könne doch nichtAblassen von Schön-Betty, Tag und NachtSäh’ man ihn schleichen hier um’s Schloß, man sähe

Wie er die Arme nach Schön-Bettys Fenster

Sehnsüchtig ausstreckt, – „O, das wußt’ ich längst!“Rief jetzt Schön-Betty lachend; hastig flog sieAn’s Fenster, streckte aus die Arm’ nach Edward –O, das war schlimm, Mac-Gregor sah das just,

Dein eifersücht’ger Vater –

(Hält erschrocken ein.)

Maria.Dein eifersücht’ger Vater Nun, und da?Erzähl’ doch weiter.

Margarethe.Erzähl’ doch weiter. Nun, und da ist’s aus.

Maria.Erzähl’ doch weiter.

Margarethe.(Aengstlich.)Erzähl’ doch weiter. Nun, am andern MorgenLag, bey der alten Schloßmau’r, todt und blutigDer Edward Ratcliff –

Maria.Der Edward Ratcliff Und die arme Mutter?

Margarethe.

Je nun, die starb, vor Schreck, drey Tage drauf.

Maria.O das ist gräßlich!

Margarethe.(Im kalten, höhnischen Wahnsinntone.)O das ist gräßlich! Hättest du erst selbstGesehn mit deinen kleinen Augen, Püppchen,Wie an der Schloßmau’r Edward Ratcliff lag –Hu, hu, das blut’ge Bild klebt mir im Kopf!

Und weil ich weiß wer ihn erschlagen hat,

Und weil ich das niemanden sagen darf,Und weil ich toll bin – hu! kann ich nicht schlafen,Und überall seh’ ich den Edward Ratcliff,Den bleichen, blutigen, mit seinen starren,

Dolchspitzen Augen, mit dem Zeigefinger

Gespenstisch aufgehoben, langsam schreitend –

Margarethe.(Wild aufschreyend.)Jesus Marie, der todte Edward Ratcliff!(Sie kauert nieder in einer Ecke des Zimmers, und bleibt dort starr und regungslos sitzen.)

Maria.(Aufschreyend.)Entsetzlicher! Bringst du mir Douglas Ring?

Ratcliff.(Bitter lachend.)Das Karoussel, das Ringestechen, ist

Jetzt aus. Zwey Ringe stach ich, doch der dritte

Wollt’ sich nicht stechen lassen, und ich stürzteHinunter von dem Holzpferd.

Maria.(Plötzlich im vertraulich ängstlichen Tone.)Hinunter von dem Holzpferd. William! William!Du blutest ja. Komm her ich will die WundeVerbinden.(Sie zerreißt ihren weißen Hochzeitschleyer.)Verbinden. Gott! Wo bin ich? Böser William –

Nein, du bist Edward, ich, ich bin Schön-Betty –

Dein armer Kopf ist blutig, und der mein’geIst so verwirrt – Ich weiß nicht was ich thu’ –Komm her; wenn du mich lieb hast, kniee nieder –(Sie will ihm die Kopfwunde verbinden.)

Ratcliff.(Stürzt zu ihren Füßen. Schmerzhaft zärtlich.)Neckt mich ein Traum? Ich liege vor Marien?

Liege zu ihren Füßen? Kleine Füße,

Seyd Ihr nicht Nebel, die der Wahnsinn bildet,Und die zerrinnen wenn ich sie umfasse?

Maria.(Beschwichtigend und ihm den Kopf mit dem Schleyer verbindend.)Bleib’ ruhig. An den goldnen, hübschen LockenKlebt Blut. Lieg’ still; du machst mich selber blutig.

Ja, wenn du still liegst, küß’ ich dich auf’s Auge.

(Sie küßt ihn.)

Ratcliff.Mir ist die Nacht vom Auge fortgeküßt;Die Sonne kann ich wieder sehn – Maria!

Maria.(Wie aus einem Traume aufgeschreckt.)Maria? Und du bist auch der William Ratcliff?(Hält sich die Augen zu.)O das ist gar zu traurig!(Schaudernd.)O das ist gar zu traurig! Fort! geh fort?

Ratcliff.(Springt auf und umschlingt sie.)

Ich weiche nicht! Ich hab dich lieb, Maria,

Und du hast William lieb –(Vertraulich.)Und du hast William lieb Im Traum’ hast du’sMir oft gesagt. Weißt du, wir sehn uns ähnlich?Schau’ in den Spiegel.(Er führt sie an einen Spiegel und zeigt nach beiden Spiegelbildern.)Schau’ in den Spiegel. Deine Züge sindZwar schöner, edler, reiner als die mein’gen;

Doch sind sie ihnen ähnlich. Diese Lippen

Umzuckt derselbe Stolz, derselbe Trotz.Hier sitzt der Leichtsinn eben so wie dort.Sprich mahl ein Wörtchen?

Maria.(Sich sträubend.)Sprich mahl ein Wörtchen? Laß mich! laß mich!

Ratcliff.Sprich mahl ein Wörtchen? Laß mich! laß mich! Hörst du?Die Stimm’ klingt wie die mein’ge, nur weit sanfter.

Das tiefe Blau des Auges ist dasselbe;

Nur glänzender bey dir. Gieb her die Hand.(Nimmt ihre Hand und vergleicht sie mit der seinigen.)

Siehst du dieselben Linien?(Erschrickt.)Siehst du dieselben Linien? Sieh mahl her,Die Lebenslinie ist so kurz wie hier, –

Maria.O laß mich, William, und entflieh! entflieh! –

Nur schnell, sie kommen gleich, –

Ratcliff.Nur schnell, sie kommen gleich, Ja, du hast Recht,Wir wollen fliehn. Komm folge mir, mein Lieb.Komm folge mir. Gesattelt steht mein Roß,Das schnellste in ganz Schottland.(Zieht sein Schwert hervor.)Das schnellste in ganz Schottland. Hier, mein SchwertBahnt uns den Weg. Sieh mahl wie’s funkelt! Horch!

Margarethe.(Wahnsinnig singend.)

„Was ist von Blut dein Schwert so roth, Edward? Edward?

Ich habe geschlagen mein Liebchen todt, – Mein Liebchen, war so schön, O!“

Ratcliff.Wer sprach das blut’ge Wort? War’s dort die Eule,Die sich an’s Fenster klammert? War’s der Wind,Der im Kamin pfeift? War’s die bleiche Hexe,

Die in der Ecke kauert? Ja, die war es;

Ihr Leib ist marmorstarr, doch aus der BrustSchrillt ihr der heisre Sang. Ich soll mein Liebchen(Im höchsten Schmerz.)Todtschlagen, singt sie – O das muß ich ja –

Maria.Entsetzlich rollt dein Aug’, dein Odem brennt –

Dein Wahnsinn steckt mich an – verlaß mich! laß mich!

Ratcliff.O sträub’ dich nicht, mein Lieb. Der Tod ist jaSo süß. Ich nehm’ dich mit in’s schöne Land,Wovon wir oft geträumt. Komm mit, mein Lieb.

Maria.(Sich von ihm losreißend.)Entflieh! entflieh! Denn trifft dich hier, Graf Douglas –

Ratcliff.(In Wuth ausbrechend.)

Verfluchter Name! Losungswort des Todes!

Kein Gott soll dich besitzen. Mir gehörst du –(Er will sie erstechen.)

Maria.(Sich in das verhängte Kabinet flüchtend.)William! du willst mich morden –

Ratcliff.(Stürzt ihr nach in’s Kabinett.)William! du willst mich morden Mir gehörst du –Mein ist Maria –

(Man hört Marias Stimme: „William! Hülfe! William!“)

Margarethe.(Singt.)„Ich habe geschlagen mein Liebchen todt, – Mein Liebchen war so schön, O!“

(Die zwey Nebelbilder erscheinen von entgegengesetzten Seiten, stellen sich am Eingang des Kabinetts, strecken die Arme nach einander aus, und verschwinden bey Ratcliffs Hervortreten.)

Ratcliff.(Das blutige Schwert in der Hand, stürzt aus dem Kabinette.)

Halt! halt! entweich mir nicht, mein Doppeltgänger!

Du bleiches Nachtgespenst, du hast’s gethan.An deiner Nebelhand klebt rothes Blut.Komm ficht mit mir, du hast Marie ermordet –

Mac-Gregor.Um Hülfe rief’s –(Erblickt Ratcliff.)Um Hülfe rief’s Dich treff ich hier, Verruchter,

Verhaßter Mörder, Störer meiner Ruh’ –

Ratcliff.(Wild auflachend.)Das bin ich, und auch du bist mir verhaßt,

Weiß nicht warum, doch bist du mir verhaßt,Nach deinem Blute lechz’ ich –

(Sie stürzen fechtend auf einander ein.)

Mac-Gregor.Nach deinem Blute lechz’ ich Bösewicht!

Ratcliff.Ha! ha! ha!

Margarethe.(Singt.)

„Was ist von Blut dein Schwert so roth, Edward, Edward?“

Mac-Gregor.(Stürzt nieder.)Verfluchtes Lied!(Er stirbt.)

Ratcliff.(Erschöpft.)Verfluchtes Lied! Die gift’ge Schlang’ ist todt.Nun ist mir’s leicht um’s Herz. Den Vorgeschmack

Der Ruh’ genieß’ ich schon. Marie ist mein.Mein Tagwerk ist vollbracht. Ich komm’ Marie.(Er geht in’s Kabinett; man hört innwendig seine Stimme:)

Hier bin ich, süßes, weißes Lieb. Maria!

(Es fällt ein Schuß im Kabinette.)

(Die zwey Nebelbilder erscheinen von beiden Seiten, stürzen sich hastig in die Arme, halten sich festumschlungen, und verschwinden. Man hört lautes Rufen und verworrene Stimmen.)

Ein Diener.Jesus Marie! hier liegt der edle Herr!

Viele Stimmen.Mac-Gregor!

Douglas.Mac-Gregor! Todt! todt ist der edle Laird.Sucht nur den Mörder. Schließt des Schlosses Pforte.

Margarethe.(Richtet sich langsam in die Höhe, nähert sich der Leiche Mac-Gregors, und spricht im wahnsinnigen Tone:)Ey! ey! so blutig und so bleich lag auch

Der todte Edward Ratcliff an der Schloßmau’r.

Der böse, zornige Mac-Gregor hatteDen armen Edward Ratcliff todtgeschlagen!(Weinend.)

Ich hab’ es nicht gethan, hab’s nur gewußt.Und den(Zeigt nach Mac-Gregors Leiche.)Und den Hat William Ratcliff todtgeschlagen –

Und auch der William hat jetzt Ruh’. Er schläft

Jetzt bey Marie – still! still! – weckt sie nicht auf –(Sie geht auf den Fußzehen nach dem Kabinette, und hebt die Gardiene desselben auf. Man sieht die Leichen von Maria und William Ratcliff.)

Alle.Entsetzlich!

Margarethe.(Vergnügt lachend.)Sie sehn fast aus wie Edward und Schön-Betty!

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