Der Zauberlehrling (1798)
Der Zauberlehrling.
Hat der alte Hexenmeister,Sich doch einmal wegbegeben!Und nun sollen seine GeisterAuch nach meinem Willen leben.
5Seine Wort und Werke
Merkt ich, und den Brauch,Und mit GeistesstärkeThu ich Wunder auch.Walle! walle!
10 Manche Strecke,
Daß zum Zwecke,Wasser fließe,Und, mit reichem vollem Schwalle,Zu dem Bade sich ergieße.
15 Und nun komm du alter Besen,
Nimm die schlechten Lumpenhüllen,
Bist schon lange Knecht gewesen,Nun erfülle meinen Willen.Auf zwey Beinen stehe,
20Oben sey ein Kopf,
Eile nun und geheMit dem Wassertopf.Walle! walle!Manche Strecke,
25 Daß, zum Zwecke,
Wasser fließe,Und, mit reichem vollem Schwalle,Zu dem Bade sich ergieße.
Seht er läuft zum Ufer nieder,
30Warlich ist schon an dem Flusse,
Und mit Blitzesschnelle wiederIst er hier mit raschem Gusse.Schon zum zweytenmale!Wie das Becken schwillt!
35Wie sich jede Schaale
Voll mit Wasser füllt!
Stehe! Stehe!Denn wir habenDeiner Gaben
40 Vollgemessen! –
Ach ich merk es, wehe! wehe!Hab ich doch das Wort vergessen!
Ach! das Wort, worauf am EndeEr das wird was er gewesen.
45Ach er läuft und bringt behende,
Wärst du doch der alte Besen!Immer neue GüsseBringt er schnell herein,Ach! und hundert Flüsse
50Stürzen auf mich ein.
Nein nicht längerKann ichs lassen,Will ihn fassen.Das ist Tücke!
55 Ach! nun wird mir immer bänger!
Welche Mine! welche Blicke!
O! du Ausgeburt der Hölle!Soll das ganze Haus ersaufen?Seh ich über jede Schwelle
60Doch schon Wasserströme laufen.
Ein verruchter BesenDer nicht hören will!Stock! der du gewesen,Steh doch wieder still!
65 Willsts am Ende
Gar nicht lassen;Will dich fassen,Will dich halten,Und das alte Holz behende
70 Mit dem scharfen Beile spalten.
Seht da kommt er schleppend wieder!Wie ich mich nun auf dich werfe,Gleich, o Kobold! liegst du nieder,Krachend trifft die glatte Schärfe.
75Warlich braf getroffen!
Seht er ist entzwey,Und nun kann ich hoffen,Und ich athme frey!Wehe! wehe!
80 Beyde Theile
Stehn, in Eile,Schon als KnechteVöllig fertig in die Höhe!Helft mir ach ihr hohen Mächte!
85 Und sie laufen! Naß und nässer
Wirds im Saal und auf den Stufen,Welch entsetzliches Gewässer!Herr und Meister! hör mich rufen!Ach! da kommt der Meister!
90Herr, die Noth ist groß,
Die ich rief die GeisterWerd ich nun nicht los.„In die Ecke,Besen! Besen!
95 Seyds gewesen.
Denn als GeisterRuft euch nur zu seinem Zwecke,Erst hervor der alte Meister.“
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