Liebebedürfniß

Wer vernimmt mich? ach! wem soll ich’s klagen?Wer’s vernähme, würd’ er mich bedauern?Ach! die Lippe, die so manche FreudeSonst genossen hat und sonst gegeben,

5Ist gespalten, und sie schmerzt erbärmlich.

Und sie ist nicht etwa wund geworden,Weil die Liebste mich zu wild ergriffen,Hold mich angebissen, daß sie festerSich des Freunds versichernd ihn genösse:

10Nein, das zarte Lippchen ist gesprungen,

Weil nun über Reif und Frost die WindeSpitz und scharf und lieblos mir begegnen.

Und nun soll mir Saft der edlen Traube,Mit dem Saft der Bienen, bey dem Feuer

15Meines Herds vereinigt, Lind’rung schaffen.

Ach was will das helfen, mischt die LiebeNicht ein Tröpfchen ihres Balsams drunter?

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