Die Raben (Kraus)
Immer waren unsre Nahrungdie hier, die um Ehre starben.Aber eure Herzenspaarungmacht, daß Raben nimmer darben.
5Wir, die wir uns nie bewarben,
Nahrung haben wir erworben.Ihr nicht, wir nicht dürfen darben,euch und uns sind sie verdorben.
Ihr und wir vom Siege schnarren,
10wenn die Opfer sich vermehren,
weil im Reiche rings die Narreneurem, unsrem Ruf nicht wehren.
[60] Waren Generale Raben,schnarrts von Phrasen dort im Saale.
15Draußen sind sie unbegraben,
da sind Raben Generale!
Dürft getrost die Schlacht verlieren,wir und ihr in keinem Fallemüssen uns vor uns genieren:
20Kriegsgewinner sind wir alle!
Ja wir sind noch sehr lebendig,wir sind beide noch die Alten,und wir freuen uns unbändig,diese Kriegszeit durchzuhalten.
25Während ihr zum Fraß vereinigt,
brauchen wir nicht zu entbehren.Hunger hat uns nie gepeinigt,seit wir folgen euren Heeren.
Hunger würd’ uns nimmer munden,
30und wir stürben an der Schande,
und wir sind euch sehr verbunden,daß wir nicht im Hinterlande.
Dort ist wahre Not, die Greiseund die Kinder dort verderben,
35weil hier auf die andre Weise
uns zum Trost die Männer sterben.
[61] Eure Schlachtbank läßt nie darbenihre angestellten Kunden.Raben haben, seit sie starben,
40immer Nahrung noch gefunden.
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