Traum (Kraus)

Stunden gibt es, womich der eigne Schrittübereilt und nimmtmeine Seele mit.

5Könnt’ ich halten sie,

würd’ ich selig sein.Ach, zuweilen glänztin den Tag der Schein.

Weiß dann, wie es war,

10seh’ ein lichtes Land,

eh’ ich in die Zeitwurde umgewandt.

Staunend stand ich daund ein Bergbach rinnt

15und das ganze Tal

war mir wohlgesinnt.

Und der Wind befiehlt,damit leichtbeschwingtalles in der Luft

20heute mir gelingt.

Habe jedes Glückschon im Flug ereilt.Alles ist Geschlecht,wir sind ungeteilt.

25"]}' id="mwOw">[83] Alles, er und sie

und ein jeglich Dingmir in dieser Nachtan die Sinne ging.

Wie sie vollends mich,

30wie sie sich vergaß,

und mein Todfeind achihr zur Seite saß —

unvergeßlich Bildunverlorner Spur

35von der Übermacht

schwacher Weibnatur!

Elfenbeine sinds:sagt ins Ohr der Traum,und die ganze Welt

40ist ein Zwischenraum.

Sie verduftet mirdurch die Sphären hin,immer ist es so,wie wenn Pappeln blühn.

45Wie dein Stern zerbrach,

weiß nicht, wie’s geschah.Deiner Erde dochbleib’ ich ewig nah.

[84] Immer heißer wird’s

50mir auf dieser Bahn,

viele Pforten sindschon mir aufgetan.

Eh mir noch verläuftdieser Lebenslauf,

55ruf’ ich was es gab

mir zum Zeugen auf.

Alles wird Gesicht,jedes Ding ein Mund.Welche bunte Welt!

60Plötzlich spricht ein Hund.

Grundlos leben wir,reichen bis zum Mond.Einer zeigt mein Grab,das noch unbewohnt.

65Einer führt ein Buch

und trägt Sünden ein —alle retten sich,alle trinken Wein.

Eine Glocke schrillt,

70daß die Decke birst.

Wenn du heute nurnicht gerufen wirst!

[85] Schon betäubt der Tagdas verlorne Ohr;

75noch umfängt den Blick

jener grüne Flor.

Wär’ mein Tag vorbei!Wieder umgewandtkehrt’ ich aus der Zeit

80in das lichte Land!

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