Abendphantasie (Conz)

Abendphantasie.

Die Phantasie, des Himmels schönstes Kind,Kommt auf Gewölk von Rosen hergezogen;Der Abendsonne Zauberdüfte sindSchon vor ihr her den Bergen angeflogen:

5Romantisch liegt vor mir das kleine Thal,

Vom nahen Wall der Hügel still begränzet,Um die ersterbend schon der letzte StrahlDer Sonn’ im Kampfe mit den Schatten glänzet;

Die fallen jetzt hernieder in das Land;

10Das Schauspiel dort der Ferne tritt zurücke;

Die Welt verengt an dichter NebelwandAllmählich sich des Spähers irrem Blicke.

Ein Schweigen, wie der Ruhe Schweigen, zieht

Sich rings umher durchs dämmernde Gefilde,

15Auf das herab schon Hespers Fackel glüht:

Verschwunden sind vor mir des Tags Gebilde.

Die Nebel fliehn; der Sterne Welt geht auf;Sie blinken Aug an Auge schon am Himmel:Frey wandeln sie jetzt den gewohnten Lauf,

20Den festlichen, in seligem Gewimmel.

Mein innres Licht wird durch ihr Licht erhellt:Es tagt in mir; ich wähne, neue AugenGehn in mir auf, die Wunder jener WeltVoll Pracht und hoher Schönheit einzusaugen.

25Der Gottheit Strahl berühret mich und reißt

Mich hoch empor, weit über niedre ZonenHin wo der Quell der ewgen Wahrheit fleußt,Und die Gestalten alles Guten thronen.

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