Der geistige Arbeiter in der Inflation
[4] Der geistige Arbeiter in der Inflation.
Wer nur den lieben Gott läßt walten –Ich arbeite an einer Monographie über die römischen Laren.Am Tage liege ich im Bett, um Kohlen zu sparen.Ich werde ein Honorar von drei Mark erhalten.
5Drei Mark! Das schwellt meine Hühnerbrust wie ein Segel.
Ein kleines Vermögen. Ich werde es in einem Taschentuch anlegen.Wie ich es früher trug und wie die reichen Leute es heute noch tragen.Um vorwärts zu kommen, muß man eben mal leichtsinnig sein und was wagen.
Ein Jahr schon schneuze ich mich in die Hände,
10nun führt der Allerbarmer noch alles zum guten Ende.
Abends, wenn die Sterne und elektrischen Lichter erwachen,da besteige ich des Glückes goldnen Nachen.
Ich stehe am Anhalter Bahnhof. Ergebenster Diener!Ich biete Delikateßbockwurst feil und die ff. heißen Wiener.
15Manchmal hab’ ich einen Reingewinn von einer halben Mark.
Ich lege das Geld auf die hohe Kante. Ich spare für meinen Sarg.
[5] Ein eigener Sarg, das ist mein Stolz
aus Eschen- oder Eichenholz,aus deutscher Eiche. Das Vaterland
20reichte mir hilfreich stets die Vaterhand.
Begrabt mich in deutschem Holz, in deutscher Erde, im deutschen Wald.Aber bald!Wie schläft sich’s sanft, wie ruht sich’s gut,erlöst von Schwindsucht und Skorbut.
25Herrgott im Himmel, erwache ich zu neuem Leben noch einmal auf Erden:
Laß mich Devisenhändler, Diamantenschleifer oder Kanalreiniger werden!
Comments
Loading comments…