Deutsche Literaturgeschichte in einer Stunde (Klabund)
Nehmt, Fraue, diesen Kranz,So zieret ihr den TanzMit schönen Blumen, die am Haupt ihr tragt.
Dahin kam ich, wo den PfadGott als Mensch betreten hat.
Spieglein, Spieglein an der Wand,Wer ist die schönste im ganzen Land?
Frau Königin, Ihr seid die schönste hier.
Aber Sneewittchen über den BergenBei den sieben ZwergenIst noch tausendmal schöner als Ihr.
Kywitt, kywitt,wat vörn schöön Vagel bün ick ...
Nun ruhen alle Wälder,Vieh, Menschen, Städt’ und Felder ...
Ich will hoffen, Hoffnung siegt.
Schönen Kindern Liebe singenIst das Amt der Poesie,
Brüder, laßt uns lustig sein,Weil der Frühling währet ...
Ich komme bald, ihr goldnen Kinder!
Sieh, die Sonne sinkt!Eh’ sie sinkt, eh’ mich Greisenergreift im Moore Nebelduft,entzahnte Kiefer schnatternund das schlotternde Gebein –Trunkner vom letzten Strahl,
reiß mich, ein Feuermeermir im schäumenden Aug’,mich Geblendeten, Taumelnden,in der Hölle nächtliches Tor.
Ihr Märtyrer für Menschenwürde,Vertraut der Wahrheit und der Zeit.Vergänglich ist des Druckes Bürde,Doch ewig die Gerechtigkeit.
Wer immer strebend sich bemüht,den können wir erlösen,
Denn, wenn der Mensch in seiner Qual verstummt,Gab mir ein Gott zu sagen, was ich leide.
Wünscht ich der Helden einer zu sein,Und dürfte es frei bekennen,So wär’ ich ein Seeheld.
Ich sehe dich in tausend Bildern,Maria, lieblich ausgedrückt.
Nacht ist wie ein stilles Meer,Lust und Leid und LiebesklagenKommen so verworren herIn dem linden Wellenschlagen.
Von der Gewalt, die alle Wesen bindet,Befreit der Mensch sich, der sich überwindet.
Im düstern Auge keine Träne,Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne:Deutschland, wir weben dein Leichentuch,Wir weben hinein den dreifachen Fluch:Wir weben, wir weben!
Gut ist der Schlaf, der Tod ist besser – freilichdas Beste wäre nie geboren sein.
Der Tod, das ist die kühle Nacht,Das Leben ist der schwüle Tag,Es dunkelt schon, mich schläfert ...
dieweil darin ersäufet sindall sündhaft Vieh und Menschenkind ...“
Daß sie brenne rein und ungekränkt.Denn ich weiß, es wird der ungetreueWächter lebend in die Gruft gesenkt.
In der schattendunklen Laube gab Silen, der weise, Stunde,Der ihm weich ans Knie geschmiegte Bacchus hing an seinem Munde,Lieblich lauschend.Und sein schönstes, sein wildestes Symbol fand C. F. Meyerin der Veltlinertraube.
Aus unbekannten Mündern bläst’s mich an,– Die große Kühle kommt ...
Hoch wuchs ich über Mensch und Tier;Und sprech’ ich – niemand spricht mit mir.
deren Energienihm den Text zusammenziehn.Beispielsweise dies Gedicht,läse, so bebrillt, man – nicht!Dreiunddreißig seinesgleichengäben erst – ein – – Fragezeichen!
Liebe Stimme säuselt und träuftWie die Lindenblüt’ auf ein Grab ...
Erst wenn ein Mensch zergingIn jedem Tier und Ding,Zu lieben er anfing.
Ihr Weiser und Verweser unseres Schönen,Laßt euch vom Waffenrausch nicht übertönen.O sorgt, daß unser Blut nicht rot erstarrtUnd seid uns Dom und ewige Gegenwart.Du Günther, brauner Packan, bissig bellend,Du Hölderlin, die sanften Pfeile schnellend,Du Mörike, verträumte Pfarrhauslinde,Du Eichendorff, voll grüner Birkenwinde,Du Heine, deutscher Jude, geistig handelnd,Du Conrad Ferdinand, auf Rhythmen wandelnd,Du Platen, im unsterblichsten Sonette,Du Nietzsche, deutscher Pole, Glockenkette,Und du, o erste Früh- und Abendröte:Du Turm, du Sturm, du erster Mensch: du Goethe.
(Klabund)
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