An Lukianos

[1] An Lukianos

Freund! Vetter! Bruder! Kampfgenosse!Zweitausend Jahre – welche Zeit!Du wandeltest im Fürstentrosse,du kanntest die Athenergosse

5und pfiffst auf alle Ehrbarkeit.

Du strichst beschwingt, graziös und eiligdurch euern kleinen Erdenrund –Und Gottseidank: nichts war dir heilig,du frecher Hund!

10Du lebst, Lucian! Was da: Kulissen!

Wir haben zwar die Eisenbahn –doch auch dieselben Hurenkissen,dieselbe Seele, jäh zerrissenvon Geld und Geist – du lebst, Lucian!

15Noch heut: das Pathos als Gewerbe

verdeckt die Flecke auf dem Kleid.Wir brauchen dich. Und ist dein Erbenoch frei, wirfs in die große Zeit!

[2]Du warst nicht von den sanften Schreibern.

20Du zogst sie splitternackend aus

und zeigtest flink an ihren Leibern:es sieht bei Göttern und bei Weibernnoch allemal der Bürger raus.Weil der, Lucian, weil der sie machte. –

25So schenk mir deinen Spöttermund!

Die Flamme gib, die sturmentfachte!Heiß ich auch, weil ich immer lachte,ein frecher Hund!

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