Geheimnis (Tucholsky)

[335] Geheimnis

Jüngst betraf mich ein Japaner,und in des Gespräches Wellen,als wir von Matrosen sprachen,ließ er ein klein Wörtlein fallen:

5"]}' id="mwFg"> „Skibi“.

„Was bedeutet das, Geehrter?“fragt ich leicht und glatt und höflich.„Nie noch hört ich diese Silben:Skibi –?

10Ists ein Laster? Ein Gesellschafts-

spiel? Kann man es konsumieren?Tun Matrosen es? Mit wem wohl?Skibi –?“

Der Japaner nickte höflich,

15lächelte und schwieg. Und seitdem

hockt auf mir der Skibi-Wahnsinn.Skibi! zwitschern alle Spatzen.Skibi-skibi! gellt die Hupe.Und die Stadtbahn-Wagenachsen

20rattern: Skibi-skibi-skibi …!

[336]Skibi! piept die Bodenmaus.

Und so sieht die Sonne aus:

Traurig krauche ich durchs Leben.Kann mir niemand Rettung geben?

25"]}' id="mweg"> Auf, nach Japan laßt mich fahren,

seekrank, heiß, mit Möwenscharenwochenlang in Schiffsbewegung,II. Klasse (mit Verpflegung) –Und ich seh nicht Palästina,

30Indien nicht an und China –

Bombay nicht und nicht Kalkutta,in Port-Said die Kuppelmutter …Ungegessen, ungeschlafen,fahr ich.

35Auf dem Quai im Japan-Hafen

spring ich auf den ersten Besten,halt ihn an am Knopf der Westen –schreiend frag ich:„Was ist Skibi –?“

40Der Japaner, kalten Blutes,

spricht: „Das fragt man nicht. Man tut es.Skibi-skibi-skibi-skibi –!“

[337]In die Heimat fährt ein Greis.

Stumm. Zerbrochen. Haar schlohweiß.

45Geht ins Kloster als Trappist,

weil er nicht weiß, was Skibi ist.

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