Großstadt-Weihnachten

[1293]Großstadt-Weihnachten /

von Theobald Tiger

Nun senkt sich wieder auf die heim’schen Flurendie Weihenacht! die Weihenacht!Was die Mamas bepackt nach Hause fuhren,wir kriegens jetzo freundlich dargebracht.

5Der Asphalt glitscht. Kann Emil das gebrauchen?

Die Braut kramt schämig in dem Portemonnaie.Sie schenkt ihm, teils zum Schmuck und teils zum Rauchen,den Aschenbecher aus Emalch glasé.

Das Christkind kommt! Wir jungen Leute lauschen

10auf einen stillen heiligen Grammophon.

Das Christkind kommt und ist bereit zu tauschenden Schlips, die Puppe und das Lexikohn.

Und sitzt der wackre Bürger bei den Seinen,voll Karpfen, still im Stuhl, um halber Zehn,

15dann ist er mit sich selbst zufrieden und im Reinen:

„Ach ja. so’n Christfest is doch ooch janz scheen!“

Und frohgelaunt spricht er vom ‚Weihnachtswetter‘,mag es nun regnen oder mag es schnei’n.Jovial und schmauchend liest er seine Morgenblätter,

20die trächtig sind von süßen Plauderei’n.

So trifft denn nur auf eitel Glück hiniedenin dieser Residenz Christkindleins Flug?Mein Gott, sie mimen eben Weihnachtsfrieden …„Wir spielen alle. Wer es weiß, ist klug.“

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