Sehnsucht nach der Sehnsucht
[102] Sehnsucht nach der Sehnsucht
Erst wollte ich mich dir in Keuschheit nahn.Die Kette schmolz.Ich bin doch schließlich, schließlich auch ein Mann,Und nicht von Holz.
5Der Mai ist da. Der Vogel Pirol pfeift.
Es geht was um.Und wer sich dies und wer sich das verkneift,der ist schön dumm.
Denn mit der Seelenfreundschaft – liebste Frau,
10hier dies Gedicht
zeigt mir und Ihnen treffend und genau:es geht ja nicht.
Es geht nicht, wenn die linde Luft weht unddie Amsel singt –
15wir brauchen alle einen roten Mund,
der uns beschwingt.
Wir brauchen alle etwas, das das Blutrasch vorwärtstreibt –es dichtet sich doch noch einmal so gut,
20wenn man beweibt.
Doch heller noch tönt meiner Leier Klang,wenn du versagst,was ich entbehrte öde Jahre lang –wenn du nicht magst.
25[103]So süß ist keine Liebesmelodie,
so frisch kein Bad,so freundlich keine kleine Brust wie die,die man nicht hat.
Die Wirklichkeit hat es noch nie gekonnt,
30weil sie nichts hält.
Und strahlend überschleiert mir dein Blonddie ganze Welt.
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