Weihnachten (Tucholsky FG)

[74] Weihnachten

So steh ich nun vor deutschen Trümmernund sing mir still mein Weihnachtslied.Ich brauch mich nicht mehr drum zu kümmern,was weit in aller Welt geschieht.

5Die ist den andern. Uns die Klage.

Ich summe leis, ich merk es kaum,die Weise meiner Jugendtage:O Tannebaum!

Wenn ich so der Knecht Ruprecht wäre

10und käm in dies Brimborium

– bei Deutschen fruchtet keine Lehre –weiß Gott! ich kehrte wieder um.Das letzte Brotkorn geht zur Neige.Die Gasse gröhlt. Sie schlagen Schaum.

15Ich hing sie gern in deine Zweige,

o Tannebaum!

Ich starre in die Knisterkerzen:Wer ist an all dem Jammer schuld?Wer warf uns so in Blut und Schmerzen?

20uns Deutsche mit der Lammsgeduld?

Die leiden nicht. Die warten bieder.Ich träume meinen alten Traum:Schlag, Volk, den Kastendünkel nieder!Glaub diesen Burschen nie, nie wieder!

25Dann sing du frei die Weihnachtslieder:

O Tannebaum! O Tannebaum!

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