Die gewonnene Schlacht

Die gewonnene Schlacht.Von Ludwig Storch.

Emmerich, der Ungarkönig, und sein Bruder AndreasSind in bösen Zwist gerathen. Liebe kehrte sich in Haß.„Ha! so wagt es dieser Knabe gegen mich sich zu empören,Wider seinen Herrn und Bruder sich mit Buben zu verschwören!“ –

5Doch des Prinzen eitle Jugend leiht der Schmeichelei das Ohr,Und bald schlägt des Aufruhrs Flamme in Pannonien empor.Bald auch glückt es dem Rebellen kühne Schaaren anzuwerben,Und sein ungezähmter Hochmuth strebt den König zu verderben.

Emm’rich führt mit Seelenschmerzen gegen ihn die Heeresmacht,

10Und sie stehn sich gegenüber; bald entscheiden soll die Schlacht.Plötzlich tritt aus seinem Lager in des Feindes wilde BandenKönig Emm’rich ohne Waffen, nur mit seinem Stab zu Handen.

Mit erhobnem Haupte schreitet stolz der Fürst voll Heldenmuth.„Welcher Krieger wagt’s, zu färben sich mit königlichem Blut?“

15Starr sind Alle vor Erstaunen; wie gefesselt stehn die Schaaren,Und des Königs hohe Würde hat fürwahr nichts zu befahren.

Zum Gezelt des jungen Prinzen hat Herr Emm’rich sich gewandt,Den erschrockenen Rebellen nimmt er freundlich bei der Hand.„Komm’ im Namen unsrer Mutter! Laß von meiner Hand Dich leiten

20Dahin, wo es beizulegen ziemt den Bruderzwist uns Beiden.“

Und so führt er ihn hinüber in sein eigenes Gezelt,Wo er weinend ihn umschlungen an dem Bruderherzen hält.„Sieh, die Schlacht ist schon gewonnen!“ Es zerstreuen sich die Heere,Und kein Blut befleckt die Erde und die hohe Fürstenehre.

Comments

Loading comments…