Die deutschen Städte
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Die deutschen Städte
An Smidt, Senator und Gildenmeister, Bürger in Bremen.
Es war ein Band gewobenIm heil’gen deutschen Land,Das fest und wohl den ProbenDes Teufels widerstand.
Noch schreiten die Gestalten
Der Weber durch die Flur,Die sprechen, ewig haltenSoll unsre heil’ge Schnur.
Es ward ein Bau erhoben
Der Freiheit Hof und Saal;
Den Meister soll man loben,Der solches Werk befahl.Die Pfeiler sind gegründetAuf Treu’ und Ständigkeit,
Der Mörtel, der sie bindet,
Ist Lieb’ und Einigkeit.
Die Feinde überzogenDas junge Kaiserthum,Da brach am Heidenbogen
Der Väter Waffenruhm.
[171] Wer wird das Reich erretten?Wer nimmt der Freiheit Wehr?Sie bringen uns die KettenAuf offner Straßen her.
O Heinrich, deutscher Kaiser,
Nimm ew’gen Ruhmes Schein;Du führst in feste HäuserDie freien Bürger ein.Der an dem Vogelheerde
Die heil’ge Krone fand,
Hat von der heil’gen ErdeDen schlechten Feind gebannt.
Bei Goslar steht ein Zeichen,Ein altes festes Schloß,
Wo nimmermehr zu weichen
Der kranke Herr beschloß.Weit scholl der Heiden KlageO Merseburg bei dir,Und noch erzählt die Sage
Von Magdeburgs Turnier.
Vom Felde zog der Neunte,Das gab ein’ starke Schaar,Und was der Kaiser meinteWard herrlich offenbar.
Von tausend Heerden ziehend
Sah man des Gastmahls Rauch,Wenn Wald und Aecker blühenDie Städte blühen auch.[172]So wurde klug errichtet
Der Freiheit Damm und Wehr.
Gar manchen Streit geschlichtetHat kleines Bürgerher.Der mag auch Schwerter schwingenWer kühn das Werkzeug führt,
Und Ritterschlösser zwingen,
Die seine Kunst verziert.
Noch immer mag die KundeDer Bürger Herz erfreu’nVom alten Schwabenbunde,
Vom Städtebund am Rhein.
Von Schlachten ohne TadelSpricht mancher alte Reim;Und herrlich blüht der AdelVon Waldpot Bassenheim.1)
Doch welcher soll vor Allen
Das höchste Lob gescheh’n?Laß deine Fahnen wallen,Laß deine Flaggen weh’n,O Hansa, hoch zu preisen
Von Männern im Gesang,
Die in den fernsten KreisenUm Ruhm und Beute rang.[173]Den Weg hast du bereitet,Dem höchsten Christengott,
Hast deutsche Art verbreitet
Bis Riga, Novogrod.Aus mildem Bürgerstande,Aus stillem BürgerfleißErblüht im heil’gen Lande
Der Ritterorden Preiß.2)
Was gleich verklung’nen SagenAus grauer Vorzeit scholl,Hat man in diesen TagenGesehen staunensvoll.
Der Feind betrat die Schwellen,
Da zogen Schiffer ausUnd wohnten auf den WellenIm leichten freien Haus.
Ein Hansastaat im Meere,
Ein Hansastaat im Feld,3)
Der als TyrannenwehreSich kühn entgegenstellt.Laß Flammen dich verzehren,O Hamburg, reich und schön,
Man wird in jungen Ehren
Dich Fönix wieder seh’n.[174]Auch dir, mein freies Bremen,Sey Gruß und Ruhm und Heil!Du darfst mit Ehren nehmen
Von diesem Sieg dein Theil.
Es hat in dir geschworenDie feine Jungfrauschaar:„Dem sey die Braut verlohrenWer nicht im Felde war.“
Blüht auf, ihr starken Dreie,
Am deutschen Meeresstrand,Ein Reich der Zucht und Treue,Ein Schmuck vom deutschen Land.Wer also treu gehalten
Am Vaterland und Eid,
Soll ferner auch verwaltenDer Heimath Herrlichkeit.
Mein Aachen, wo die KroneDes Ritterthums geruht,
Bald auf granit’nem Throne,
Bald an der warmen Fluth!Berühmt seit grauen ZeitenEhrwürd’ge Trier du,Erwacht am Klang der Saiten
Aus eurer langen Ruh.
[175]Du Thor der deutschen Lande,O Bundes-Veste Mainz!Du frommes Köln am StrandeDes lieben alten Rheins,
Ein hohes Amt laß halten
In deinem heil’gen Dom,Damit sie wohl verwaltenDie Wacht am deutschen Strom.
Von Waffen hör’ ich’s schallen
O Krönungsstadt in dir!
Viel Kaufherrn seh ich wallenIn reicher Rüstung Zier.Bewahre nur, mein Rühle,4)Die Bürger männiglich;
Dann setzen auf die Stühle
Schultheiß und Schöppen sich.
O Waffenstahl, sprüh’ Funken,Sprüh’ Funken, edler Stein!Vom Wein der Freiheit trunken
Laßt jeden Bürger seyn.
Der Formen todte SatzungLebt auf am kühnen Wort,Man geht von eig’ner SchatzungZu beßern Rechten fort.[176]
Laßt jedem Bürger geben
Den Raum zu Wort und That,Und strömen wir das LebenVom Bürger in den Rath.Das Zeichen von dem Bunde
Ist ja der Eichenbaum,
Der wächst aus tiefem GrundeZum hellen freien Raum.
Von Kleinen ist zu melden,Was je die Großen hob,
Und Pforzheims treue Helden5)
Errangen ew’ges Lob.Ja lasset alle KleinenErst kühn und würdig seyn,Dann soll es bald erscheinen,
Wie Freiheit will gedeih’n.
Mit deinen KirchenhallenUnd südlich schöner PrachtDen Deutschen zu gefallenNimm Augsburg wohl in Acht.
Im Lechfeld ist erlegen
Der Ungarn wildes Heer,Nun schmiedet Ottos DegenZu freier Bürger Wehr.[177]Dich wird, o Bundesstätte,
Kein Welscher mehr entweih’n:
Vielleicht zieh’n weis’re RätheBald wieder bei dir ein.O Regensburg empfangeDie Männer treu und werth,
Es wird mit Waffenklange
Ein Helden-Rath geehrt.
Wenn Einer Deutschland kennenUnd Deutschland lieben soll,Wird man ihm Nürnberg nennen
Der edlen Künste voll.
Dich nimmer noch veraltetDu treue fleiß’ge Stadt,Wo Dürers Kraft gewaltetUnd Sachs gesungen hat.
Das ist die deutsche Treue,
Das ist der deutsche Fleiß,Der sonder Wank und ReueSein Werk zu treiben weiß.Das Werk hat Gott gegeben,
Dem der es redlich übt,
Wird bald sein ganzes LebenEin Kunstwerk, das er liebt.[178]Ihr hohen FürstensitzeVon Wilhelm und von Franz,
Seyd ewig ihre Stütze
Und ihrer Kronen Glanz.Du sollst auf Deutschland wirkenEntsündigtes Berlin;Die Welschen wie die Türken
Vermeiden künftig Wien.
O Leipzig, Stadt der Linden,Dir glänzt ein ew’ges Licht,Zu dir den Weg zu findenBraucht man den Führer nicht.
Man wird es nie vergessen
Wie Babels Thurm erlag,Man spricht von Leipzigs MessenBis an den jüngsten Tag.
Wie man den Feind befehdet,
Das große Freiheit-Werk,
Beschlossen und beredetWard es in Königsberg.Am deutschen EichenstammeDu frisches grünes Reis,
Du meiner Jugend Amme,
Nimm hin des Liedes Preiß.[179]Im Freiheit-Morgenrothe,In Moskaus heil’gem ScheinKam ein geweihter Bote,
Zu dir der veste Stein.6)
Er zog in Kraft zusammenDer Landesväter Kreis,In den trug seine FlammenHeld York, der strenge Greiß.
Da brach mit Sturmes Schnelle
Hervor dein starker Sinn,Nun maaß mit and’rer ElleDer Kaufmann den Gewinn.Nun lieben die Studenten
Erst recht die Wissenschaft,
Und alle Herzen brenntenIn einer Glut und Kraft.
Du köstliches GeschmeideVom tapfern Preußenland,
O Stadt, im Glück und Leide
Gleich fromm und treu erkannt,Am Weichselstrom, am Meere,Mein Danzig, festes Haus,Erblüht von Glück und Ehre
Für dich ein neuer Strauß.
[180]Wie tief auch noch versunkenDie alte Herrlichkeit,In Aschen glimmt ein FunkenWir wecken ihn zur Zeit.
Es kommt ein Tag der Rache
Für aller Sünder Haupt,Dann sieget Gottes Sache,Das schauet wer geglaubt.
Dann wollen wir erlösen
Die Schwester fromm und fein
Aus der Gewalt der Bösen,Die starke Burg am Rhein,Die Burg, die an den StrassenDes falschen Frankreichs liegt,
In der nach ew’gen Maassen
Erwin den Bau gefügt.
Indeß, du freies Wesen,Gedeihe weit und breit,Der Herr hat dich erlesen
Zum Zeichen für die Zeit.
Die Fürsten sollen kommenSammt ihrer Ritterschaft,Und lernen sich zum FrommenDer Freiheit Wunderkraft.[181]
In vester Mauern Mitte
Blüht eine frische Welt,Da ward die milde SitteZum Wächter wohl bestellt;Die hat gar treu gehütet
Den anvertrauten Schatz,
Als rauher Sturm gewüthetStand sie an ihrem Platz.
Nun gilt’s ein neues Bilden;So komm’ in deiner Kraft,
Aus himmlischen Gefilden
Zur Erde Wissenschaft.Man soll dich treulich pflegenDu theures Erb’ und Gut,Daß noch im Väter Segen
Der freie Enkel ruht.
O komm’ in uns’re Säle,In uns’re Schulen komm’,Mit rechter Treu’ uns stähleUnd mach’ uns wieder fromm:
Es haben ja die Alten,
Die weisen, bärt’gen HerrnDen Glauben auch gehaltenFür alles Wissens Kern.[182]Frisch auf du Bürgerjugend
In Waffen tummle dich,
Das heiß ich rechte Tugend,Zu kämpfen männiglich.Der sey der Bürgermeister,Der wohl die Waffen führt,
Im Rathe kühn die Geister,
Im Feld sein Heer regiert.
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